Die Geschichte der Pfalz

In dieser Ausarbeitung wird die deutsche Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Pfalz etwas ausführlicher erläutert. Dadurch sollen einige Erklärungen im Lexikon verständlicher gemacht werden.


Um 1800 v. Chr. wird das Bronzegießen zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen in Europa bekannt (= Beginn der Bronzezeit). Im westlichen Ostseebereich vermischt sich das Bauernvolk mit Eindringlingen aus Vorderasien. In diesem Volk wird der Ursprung der Germanen gesehen. Eine ihrer Sitten ist es, die Toten in ausgehöhlten Eichenstämmen beizusetzen und einen gewaltigen Erdhügel darüberzuwölben (= Hügelgräber).

In dieser Bronzezeit bildet sich dort, wo heute Süddeutschland, die Nordschweiz und Ostfrankreich liegen, ein Volk mit bäuerlicher Kultur, die Ur-Kelten. Auch sie bedecken ihre Gräber mit Hügeln.

1200 v. Chr. Stämme aus dem Gebiet der heutigen CSFR, Polen und Ost-Deutschland dringen in das Gebiet der Ur-Kelten ein. Aus der Verbindung der Eindringlinge mit den Ur-Kelten entsteht das Volk der Kelten.

800 v. Chr. Lange vor den Germanen kennen die Kelten die Verwendung des Eisens. Mit Beginn der Eisenzeit, die auf die Bronzezeit folgt, nehmen die Kelten eine führende Rolle in Mitteleuropa ein. Sie erbauen mächtige Befestigungen. Oft umschließt ein gewaltiger Wall aus zwei Palisadenwänden, deren Zwischenraum mit Steinen ausgefüllt ist, die Keltenstätten. Reste eines solchen Keltenwalls findet man auf dem Donnersberg (Keltenweg).

Die Germanen breiten sich im Osten bis an die Oder und Weichsel, im Westen bis an den Rhein und im Süden bis zu den deutschen Mittelgebirgen aus. Um 500 v. Chr. sind Germanen und Kelten unmittelbare Nachbarn.

Überbevölkerung, Abenteuerlust und der Wille, Reichtümer zu erwerben, treiben die Kelten auf Wanderungen. Sie breiten sich nach allen Richtungen aus. Zwischen 300 und 100 v. Chr. herrschen Kelten zwischen dem Schwarzen Meer und dem Atlantischen Ozean, von den deutschen Mittelgebirgen bis nach Oberitalien.

200 v. Chr. Weil das Klima im Norden kühler und rauher geworden ist und die Sturmfluten Teile des Küstenlandes verschlingen, setzt auch bei einzelnen Stämmen der Germanen eine Völkerwanderung ein.

Diese Stämme dringen bis zu den Ostalpen vor. Obwohl sie sich dort in friedlicher Absicht niederlassen wollen, werden sie von einem römischen Heer angegriffen. Aus dem erstmaligen Aufeinandertreffen von Germanen und Römern (113 v. Chr.) gehen die Germanen als Sieger hervor. Zwölf Jahre später werden die germanischen Stämme in Oberitalien dann doch noch vernichtet.

55. v. Chr. Ganz Gallien, das Land zwischen Atlantischem Ozean und Rhein, steht unter römischer Herrschaft. Somit herrschen die Römer auch über das Gebiet der heutigen Pfalz.


83. Im Rahmen einer römischen Verwaltungsreform wird die Provinz Germania Superior gebildet. Bis auf den westlichen Teils des heutigen Landkreises Pirmasens gehört die gesamte Pfalz zu dieser Provinz.

90. Das römische Reich erstreckt sich auf die Lande links des Rheins und südlich der Donau. Um einen einheitlichen Grenzverlauf zu haben, erobern die Römer das Gebiet zwischen den Strömen und beginnen mit dem Bau eines befestigten Grenzwalles, dem Limes. Die Grenzanlage (z.T. aus Pfählen, z.T. aus Steinen), die das röm. Reich gegen die Germanen schützen soll, zieht sich von Neuwied bis zum Main und weiter bis nach Regensburg. Im Abstand von ca. 2 Wegestunden entstehen entlang der Grenze Kastelle (Steinfestungen mit Kasernen, Stallungen und Vorratsräumen).

260. Durch ständige Kämpfe gegen germanische Stämme geschwächt, geben die Römer das Land zwischen Rhein und Donau auf und ziehen sich wieder an den Rhein zurück. Dadurch entstehen u.a. bei Speyer und Germersheim "Limes-Kastelle".

Innerhalb des germanischen Reiches gibt es eine Vielzahl von Stämmen bzw. Völkern. Da die Bevölkerung ständig wächst, rücken die Stämme immer enger zusammen. Mit der Zeit entwickeln sich sechs bedeutende germanische Stammesverbände: die Franken (ungefähr auf dem Gebiet der Niederlanden), die Sachsen (Norddeutschland), Bayern, Friesen, Thüringer und die Alemannen. Die Alemannen werden erstmals 212 am oberen Main genannt. Sie durchdringen um 260 den ursprünglichen Limes und dehnen sich bis zum 5. Jhdt. über die heutige Pfalz, das Elsaß und die Nordschweiz aus.

Das Mittelalter beginnt. Darunter ist in Westeuropa ungefähr die Zeit zwischen dem Ende der Herrschaft der Römer (486) und der Entdeckung Amerikas (1492) bzw. dem Beginn der Reformation (1517) zu verstehen. Das Mittelalter wird in drei Epochen eingeteilt:

        486   - 1000        Frühmittelalter,
        1000 - 1250        Hochmittelalter,
        1250 - 1492        Spätmittelalter.


482. Chlodwig, aus dem Geschlecht der Merowinger, macht sich zum König aller Franken, einem westgermanischen Stamm auf dem Gebiet der heutigen Niederlanden. Mit seinem großen Machtwillen dehnt er sein Reich weiter aus.

486 erobert er Gallien, die letzte Provinz des weströmischen Reiches.

496. Chlodwig schlägt die Alemannen und drängt sie bis ins Elsaß und an die Alpen zurück. Somit kommen die Franken in die Pfalz.

498. Als erster Germanenfürst nimmt Chlodwig den römisch-katholischen Glauben an. Dadurch sichert er sich die Unterstützung der katholischen Bischöfe.

Die Söhne Chlodwigs vergrößern das Frankenreich in den folgenden Jahrzehnten, so dass das heutige Frankreich, die Be-Ne-Lux-Länder, die Schweiz sowie Teile von Deutschland, Österreich und Bayern dazugehören. Aufgrund zunehmender Streitigkeiten teilen die Nachfolger Chlodwigs das Frankenreich in drei selbständige Teilbereiche:

        - Austrien (Hauptort Metz),
        - Neustrien,
        - Burgund.

Die Pfalz gehört zu Austrien.

Da sich die fränkischen Teilkönige durch ständige Kämpfe gegenseitig schwächen, gewinnen die Hausmeier (Verwalter der Königsgüter) an Macht. In Austrien (und später auch in Neustrien) hat die Familie der Karolinger das Amt des Hausmeiers inne und vererbt es innerhalb der Familie weiter. Aus diesem Geschlecht geht Karl Martell hervor, der das Frankenreich (732) und damit das westliche Europa vor den Arabern rettet. Somit ist der Hausmeier Martell der wahre Herrscher des Frankenreiches.

7./8. Jhdt. Mönche von den britischen Inseln kommen in das Frankenreich, um das seit Chlodwig verbreitete Christentum zu erneuern. Der bekannteste von ihnen ist der Benediktinermönch Bonifatius (672 - 754), der als Beauftragter des Papstes durch die Lande zieht. Er gründet mehrere Klöster. Karl Martell schützt Bonifatius und auch die anderen Glaubensboten, weil diese durch die Verbreitung des Evangeliums und die straffe Ordnung der Kirche (Gründung von Bistümern) zur Einheit des Frankenreichs beitragen.

742. Ein weiterer Mönch namens Pirminius kommt in die Gegend der heutigen Pfalz, wo er bei Zweibrücken das Kloster Hornbach gründet. Von dort erfolgt die Christianisierung der Pfalz. Der Hl. Pirminius gilt als der Gründer der Stadt Pirmasens.

751. "Wer soll König sein: Der, der den Namen trägt oder der die Macht hat?" Diese Frage trägt Pippin, der Sohn Karl Martells, an den Papst heran. Als dieser bestätigt "der, der tatsächlich die Macht hat", wird der Karolinger Pippin von der fränkischen Heeresversammlung offiziell zum König gewählt. Damit findet die Zeit der Merowinger ihr Ende.

768. Nachfolger Pippins als Frankenkönig wird dessen Sohn Karl. Er unterwirft die Sachsen und zwingt sie, den christlichen Glauben anzunehmen.

788 gliedert Karl auch noch den letzten freien Teil Bayerns seinem Reich an. Dadurch sind im Frankenreich erstmals alle Stämme vereint, die später das deutsche Volk bilden sollten.

Karl der Große teilt das Reich in Grafschaften ein. Als Vertreter des Königs ernennt er für jede Grafschaft einen Grafen.

König Karl residiert nicht in einer festen Hauptstadt. Er zieht mit seinem Gefolge von Pfalz zu Pfalz (lat. "palatium" = Palast), um die innere Ordnung in seinem Reich zu sichern und um Reichstage (Gerichtsverhandlungen) abzuhalten. Diese Pfalzen sind keine Schlösser, sondern große Güter und Getreidesammelhöfe. Karl fördert in besonderem Maße Kultur, Bildung und Wissenschaft.

800. Karl zieht nach Rom, um Papst Leo III. (wie schon sein Vater Pippin) vor dem römischen Adel zu schützen. Als Dank überrascht der Papst Karl damit, dass er ihn an Weihnachten zum Kaiser krönt. Mit Karl dem Großen gibt es nach einigen hundert Jahren wieder einen Kaiser in Westeuropa.

Zur Zeit Karls des Großen entwickelt sich eine neue Gesellschaftsordnung: der Lehnstaat (Feudalismus). Weil der König in dieser Zeit der Naturalwirtschaft wenig Geld besitzt, belohnt er seine Gefolgsleute für ihre Treue und für geleistete (Kriegs-)Dienste mit Land aus erobertem Besitz. Der Grundbesitz wird jedoch nicht Eigentum des Gefolgsmannes, sondern ist diesem nur geliehen (Lehen). Grafen und andere große Lehensmänner umgeben sich ihrerseits mit Gefolgsleuten. Dadurch entsteht eine ganze Abfolge von Lehensabhängigkeiten (Lehnspyramide),die für die politische und soziale Ordnung des Mittelalters kennzeichnend ist.

843. Die Enkel Karls des Großen teilen das Frankenreich im Vertrag von Verdun in Nord-Süd-Richtung in drei Teile:
            
    - Lothar erhält die Kaiserkrone, Italien und den mittleren
      Teil des Reiches (Lotharingen / Lothringen),
    - Karl (der Kahle) bekommt Westfranken,
    - Ludwig (der Deutsche) erhält Ostfranken.

Durch weitere Teilungen (870 in Meersen, 880 in Ribemont) kommen Lothringen sowie weitere Gebiete des Mittelreiches zu dem ostfränkischen Reich hinzu. Nach der Teilung von Verdun gehörte vermutlich schon ein Stück der jetzigen Pfalz zu Ostfranken. Nach der letzten Teilung ist das pfälzische Gebiet komplett ins ostfränkische Reich integriert.

Da in Ostfranken hauptsächlich deutsch (theodiscus = volkstümlich, Bezeichnung für die fränkisch-germanische Volkssprache) gesprochen wird, kommt für das Ostreich allmählich der Name Deutschland auf.

911. Mit dem Tod Ludwig IV. (das Kind) stirbt der letzte Herrscher aus dem Geschlecht der Karolinger. Da er, ebenso wie seine Vorgänger, ein schwacher König war, übernehmen im Laufe der Zeit in einigen Stammesgebieten die Grafen die Macht. Als Stammesherzöge versuchen sie, vom König unabhängig zu werden. Als Nachfolger von Ludwig IV. wählen die Herzöge Konrad, den Herzog der Franken, zum König.
            
919. Obwohl nicht alle Stämme hinter ihm stehen, wird der Sachsenherzog Heinrich I. zum ostfränkischen-deutschen König gewählt. Er ist sozusagen der erste deutsche König. Mit Waffengewalt hält er Lothringen im ostfränkischen Reich. In dieser Zeit spricht man erstmals vom Deutschen Reich.

936. Nach dem Tod Heinrichs I. folgt dessen Sohn Otto I., der 939 in Aachen gekrönt wird. Im Geiste Karls des Großen festigt er das deutsche Reich. Dazu macht er geistliche Würdenträger (Bischöfe, Äbte usw.) durch die Vergabe von Herrschaftsrechten (Richteramt, Münzen prägen, Zölle erheben etc.) zu treuen Stützen des deutschen Königtums. Hieraus entwickeln sich die Fürstbischöfe. Die Einheit und das Recht versucht er zu sichern, indem er in jedem Herzogtum einen ihm ergebenen Pfalzgrafen einsetzt, der dem Gericht vorsteht und die Königsgüter beaufsichtigt.

962. Otto I. schützt ebenfalls Oberitalien und den Kirchenstaat. Als Gegenleistung krönt ihn Papst Johannes zum Kaiser.

Anmerkung: Da nur dem Papst das Recht der Kaiserkrönung vorbehalten ist, ist es für die deutschen Könige wichtig, die Herrschaft über Oberitalien und Rom zu haben bzw. als Beschützer des Kirchenstaates angesehen zu werden.

973. Otto II. (bis 983) und Otto III. sind die vorerst letzten Sachsenkaiser des Deutschen Reiches.


1002. Da bei Otto III. kein männlicher Nachfolger vorhanden ist, wird der Bayernherzog Heinrich II., ein Urenkel Heinrichs I., zum deutschen König gewählt.

1024. Heinrich II. stirbt kinderlos. Die Fürsten wählen den Salier Konrad II. zum König. Damit beginnt die Herrschaft der Salier, einem fränkischen Adelsgeschlecht, deren Macht bis dahin auf die Regionen Nahe, Speyer und Worms beschränkt war. Als Neuerung macht Konrad II. die kleinen Lehen erblich, nachdem die großen Lehen (Herzogtümer, Grafschaften) durch Gewohnheit längst erblich geworden waren. Er vergibt Lehen auch an kleine und unfreie Dienstmänner (Ministerialien).

1029. Konrad II. beginnt mit dem Bau des Kaiserdomes in Speyer, der später von Heinrich IV. (ca. 1061) vollendet wird. Der Dom ist die Grabkirche der salischen Kaiser.

1039. Konrads Sohn, Heinrich III., festigt nicht nur die Machtstellung als König und späterer Kaiser. Er hilft auch einer vom Kloster Cluny ausgehenden Reformbewegung, die die Geistlichen wieder zu mehr Zucht und Frömmigkeit zurückführen will (Cluniazensische Reform), sich innerhalb der Kirche durchzusetzen. Als Folge davon läßt er drei Päpste absetzen und den Bischof von Bamberg, einen Anhänger der Reform, zum Papst wählen. Dieser krönt ihn 1046 zum Kaiser. Heinrich III. ist im Dom zu Speyer beigesetzt.

1056. Als sein Vater stirbt, ist Heinrich IV. noch ein Kind. Mit 15 Jahren übernimmt er später die Regierung. Ein Aufstand bringt ihn in starke Bedrängnis. Doch er kann seine Herrschaft festigen.

Dann folgt die Auseinandersetzung mit dem Papst wegen der Einsetzung von Geistlichen in ihre Ämter (Investitur). Nach dem Willen des Papstes sollen Bischöfe und Äbte nicht mehr von kirchlichen Laien (dazu zählt auch der König) eingesetzt werden, sondern nur noch allein vom Papst. Diese neue Regelung trifft besonders den deutschen König, da die Geistlichen als weltliche Amtsinhaber bei der Verwaltung des Reiches eine wichtige Stütze sind. Zudem ist zu befürchten, dass der König nicht mehr über die von ihm an Geistliche verliehene Besitztümer bestimmen kann.

1076. Bedrängt durch Heinrich IV. beschließen die deutschen Bischöfe auf einer Synode in Worms, Gregor VII. nicht mehr als Papst anzuerkennen. Heinrich IV. fordert den Papst schriftlich zum Rücktritt auf. Daraufhin belegt Gregor VII. den deutschen König mit dem Bann, d.h. der König ist aus der Kirche ausgeschlossen, alle ihm gegenüber geleisteten Treue-Eide sind nichtig. Eine Schar deutscher Fürsten nutzt die Gelegenheit und stellt mit Rudolf von Rheinfelden einen Gegenkönig auf.
            
1077. Um die Lösung vom Bann zu erlangen, zieht Heinrich IV. nach Canossa. Dort durch den Papst vom Bann befreit, kehrt der König nach Deutschland zurück. Im Kampf gegen die treuelosen Fürsten und den Gegenkönig stellt er seine Macht wieder her.

1106. Heinrich V. erschleicht sich von seinem Vater Heinrich IV. die Königswürde. Nachdem der Streit um die Investitur auch nach dem Tod Heinrichs IV. und Gregor VII. fortdauert, erzielt Heinrich V. 1122 im Wormser Konkordat mit dem Papst einen vorläufigen Kompromiß über die künftige Vorgehensweise bei der Einsetzung von Geistlichen.

1125. Nach dem Tode Heinrich V., des letzten Saliers, wählen die deutschen Fürsten Lothar von Supplinburg, Herzog von Sachsen, zum König.

1138. Als Nachfolger des verstorbenen Lothar von Supplinburg wird Konrad III. aus dem Hause der Staufer zum König gewählt. Damit beginnt die Zeit der Staufer, einem schwäbischen Fürstengeschlecht, deren Stammburg Hohenstaufen ist.

1150. Mönche legen den Grundstein für eine Kapelle, die heute Bestandteil der Wallfahrtsstätte Maria Rosenberg bei Waldfischbach-Burgalben ist.

1152. Der Staufer Friedrich I. wird in Frankfurt gewählt und in Aachen auf dem Thron Kaiser Karls zum König gekrönt. Unter Friedrich I., der wegen seines roten Bartes den Beinamen Barbarossa erhält, wird das Deutsche Reich wieder mächtig. Er tritt unerschütterlich für Recht und Gerechtigkeit ein. 1155 erhält er in Rom die Kaiserkrone. Auch dem Papst gegenüber will Friedrich I. seine Stellung stärken, indem er Bischöfe und Äbte - entgegen der Vereinbarungen des Wormser Konkordats - in Ämter einsetzt. Dadurch entbrennt eine erneute Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und Papst Alexander III., die im Frieden von Venedig (1177) ihr vorläufiges Ende findet.

1156. Friedrich I. überträgt seinem Halbbruder Konrad die "Pfalzgrafschaft bei Rhein" als Lehen.

1158. Kaiser Friedrich Barbarossa läßt im heutigen Kaiserslautern eine Kaiserpfalz errichten.

1180. Während Friedrich I. Barbarossa häufig in Italien kämpft, baut der Bayernherzog Heinrich der Löwe seine Macht im deutschen Reich aus. Da Heinrich den Kaiser bei seinen Kämpfen in Italien nicht unterstützt und nachdem Heinrich wiederholten Vorladungen bei dem kaiserlichen Gericht nicht Folge leistet, entzieht ihm Barbarossa die Reichslehen, nämlich die Herzogtümer Bayern und Sachsen. Bayern fällt an Otto von Wittelsbach. Von da an regieren die Wittelsbacher bis 1918 in Bayern.

1189. Friedrich I. bricht mit einem Ritterheer zum 3. Kreuzzug auf. Dabei ertrinkt Barbarossa 1190 in dem Fluß Saleph.

1190. Barbarossa Sohn, Heinrich VI. von Hohenstaufen, ist König von Deutschland, Italien und Burgund. Durch seine Heirat mit Konstanze von Sizilien wird er erblicher König von Unteritalien und Sizilien. Damit ist seine Macht noch größer als die Barbarossas. Bei der Vorbereitung eines erneuten Kreuzzuges stirbt Heinrich VI. 1197 im Alter von 32 Jahren in Messina. Dieser plötzliche Tod Heinrich VI. führt zu einem völligen Zusammenbruch der kaiserlichen Machtstellung.
        
Da Heinrichs Sohn Friedrich erst drei Jahre alt ist, entbrennt in Deutschland ein Machtkampf zwischen den Geschlechtern der Staufer und der Welfen. Papst Innozenz III. nutzt diese politische Lage und baut seine weltliche Macht aus.

Als Folge dieser Entwicklung erlebt der Burgenbau in der Pfalz seine wichtigste Zeit. Als äußeres Zeichen ihrer Herrschaft errichten zahlreiche Adelsgeschlechter eigene Burgen.

In dieser Zeit entsteht um Franz von Assisi ein neuer Mönchsorden, die Franziskaner, die in Armut und Bedürfnislosigkeit leben und sich in selbstloser Hingabe um Arme kümmern. Weiterhin entwickelt sich um den Spanier Dominikus der Orden der Dominikaner, die versuchen, Menschen in ihrem Glauben zu bestärken und sie zur religiösen Besinnung zurückzuführen.

1212. Als Friedrich mit 14 Jahren mündig wird, ist er zunächst nur noch König von Sizilien. Doch mit Durchsetzungsvermögen sowie der Hilfe des Königs von Frankreich und des Papstes gewinnt er die Herrschaft über das Deutsche Reich zurück. 1215 wird Friedrich II. zum deutschen König gekrönt.
            
1214. Friedrich II. überträgt dem Wittelsbacher Herzog Ludwig I. von Bayern die Pfalzgrafschaft bei Rhein. Damit entstehen die ersten Verknüpfungen zwischen Bayern und der heutigen Pfalz.

Da er in Palermo groß geworden ist, kümmert sich Friedrich II. nach seiner Kaiserkrönung (1220) hauptsächlich um das geliebte Sizilien und Unteritalien. In Deutschland läßt er sich zunächst durch einen Kanzler, dann durch den Herzog von Bayern und schließlich durch seinen Sohn Heinrich vertreten. Um sich die Gefolgschaft der deutschen Fürsten zu erhalten, tritt ihnen der Kaiser Hoheitsrechte ab, z.B das Recht, Münzen zu prägen, Zölle zu erheben, Gerichtsbeamte zu ernennen, Burgen zu bauen und Städte zu gründen. Erstmals werden die Fürsten auch Landesherren (domini terrae) genannt. Damit wird die Zersplitterung des Reiches in Territorien eingeleitet.

1237. Durch eine Teilung gehen aus dem Hause Leiningen die Linien Altleiningen und Leiningen-Dagsburg (im östlichen Pfälzerwald) hervor. Zu ihren eigenen Burgen nehmen sie weitere Festen zu Lehen. Graf Friedrich III. von Leiningen beginnt 1238 mit dem Bau der Burg Neuleiningen, die 1242 fertiggestellt wird.

1250. Friedrich II. stirbt am Sumpffieber.

1268. Als letzter Staufer zieht Friedrichs Enkel Konradin nach Italien, um sein Erbe anzutreten. Dort unterliegt er dem französischen Ritter Karls von Anjou, der ihn wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz von Neapel enthaupten läßt.
                    
Nach dem Niedergang der Staufer gibt es in Deutschland keine starken Könige mehr. Das Reich löst sich in zahlreiche selbständige Herrschaftsgebiete auf. Grafen, Bischöfe und andere Herren regieren in ihrem Territorium wie Könige.

Ursprünglich wurde der König von vielen weltlichen und geistlichen Fürsten gewählt. Nach dem Sturz der Staufer verringert sich die Zahl der Wahlfürsten (Kurfürsten, von Chur = Wahl) auf sechs (später sieben) bedeutende Herrscher:

- Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier
- Pfalzgraf bei Rhein (Kurpfalz)
- Herzog von Sachsen
- Markgraf von Brandenburg
- König von Böhmen (ab Ende 13. Jhdt.).

Die Pfalzgrafschaft bei Rhein umfaßt in dieser Zeit ungefähr die Gebiete links und rechts des Rheins (zw. Bacharach im Norden und der Lauter im Süden) und der Oberpfalz (nördlich von Regensburg).

1273. Die Kurfürsten versammeln sich in Frankfurt/Main, um der kaiserlosen Zeit (Interregnum) ein Ende zu setzen. Sie wählen Rudolf von Habsburg zum deutschen König. Die Habsburger, deren Stammburg in der heutigen Schweiz lag, verfügen über erheblichen Landbesitz in Elsaß und Schwarzwald. Seinen Widersacher Ottokar von Böhmen bezwingt Rudolf bei der Schlacht auf dem Marchfeld. Mit harten Maßnahmen sorgt der König für Sicherheit und Ordnung im Reich. 1291 stirbt er und wird im Dom zu Speyer beigesetzt.

1291. Da der Habsburger den selbstsüchtigen Kurfürsten zu mächtig geworden war, wählen sie nicht dessen Sohn Albrecht, sondern den eher unbedeutenden Grafen Adolf von Nassau zum König.

1298. Da Adolf jedoch eine unglückliche Politik betreibt, wird er abgesetzt und die Kurfürsten ernennen den Habsburger Albrecht zum König. Um seine Stellung als König zu verteidigen, zieht Adolf gegen Albrecht in den Kampf. Bei der Schlacht am Hasenbühl beim pfälzischen Göllheim unterliegt Adolf von Nassau. Der gefallene Ex-König wird zunächst im Kloster Rosenthal beigesetzt und einige Jahre später in den Speyerer Dom überführt.  

In der Folgezeit werden noch verschiedene machtlose Grafen zum König gewählt. Gleichzeitig stärken die Kurfürsten ihre Macht.

1338. Die Kurfürsten treten in dem Kurverein zu Rhense zusammen und erklären, dass die von ihnen gewählten Könige nicht mehr der Bestätigung durch den Papst bedürfen. Damit weisen sie jeglich Einflußnahme des Papstes auf die Königswahl zurück.

Wegen der zahlreichen Machtwechsel in Deutschland fällt Italien immer mehr vom deutschen Reich ab.

1347. Mit Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg erhält das Reich wieder einen starken Herrscher. Als König von Böhmen hatte er sich schon einen guten Namen gemacht.

1348. Karl IV. gründet in Prag die erste deutsche Universität und läßt den Hradschin (Königsburg) bauen. Die "Schwarze Pest" und die damit einhergehende Judenverfolgung (ihnen wird fälschlicherweise angehängt, sie hätten die Brunnen vergiftet) führen zu einem schweren wirtschaftlichen Rückschlag im Deutschen Reich.

1356. In der "Goldenen Bulle" regelt Karl IV. die Wahl des Königs durch die Kurfürsten auch gesetzlich. Mit diesem ersten Reichsgrundgesetz werden den Kurfürsten weitgehende Rechte übertragen (z.B. Bergwerke anlegen, Münzen mit eigenem Bildnis prägen). Die Bewohner kurfürstlicher Gebiete unterstehen nicht mehr dem königlichen Gericht, sondern der Kurfürst wird oberster Richter. Es wird auch festgelegt, dass die weltlichen Kurlande ungeteilt an die ältesten Söhne vererbt werden müssen.

1390. Anfänge der Papierfertigung in Deutschland. Da die Rohstoffe Wasser und Holz im Übermaß vorhanden sind, entstehen später auch in der Pfalz Papierfabriken (z.B. am Speyerbach zw. Neustadt und Kaiserslautern).

Die Städte mit ihrem Selbstverwaltungen und Zünften sind auf der Höhe ihrer Blüte. Langsam vollzieht sich ein Wandel von der durch das Rittertum geprägten Gesellschaft hin zu einer vom Bürgertum geprägten Gesellschaftsstruktur.

Die Hanse, ein Bund von Handelsstädten, verhilft dem deutschen Handel zu einer starken Stellung. U.a. führt die Hanse in Nord- und Mitteleuropa die moderne Geldwirtschaft und den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein.

1400. Bei einer Versammlung in Rhense am Rhein setzen die Kurfürsten König Wenzel aus dem Hause Luxemburg als deutschen König ab. Als dessen Nachfolger wird der Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst Ruprecht III., zum deutschen König gewählt. Als König Ruprecht I. regiert der Wittelsbacher bis 1410, wo er auf seiner Burg Landeskron bei Oppenheim starb.


1410. Nach dem Tod Ruprechts werden bei der Teilung des Territoriums u.a. das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und die Kurpfalz gebildet.

1414. Im Konzil zu Konstanz versucht König Sigismund, der Sohn Karls IV., die Spaltung der Kirche zu verhindern und die innere Ordnung der Kirche wieder herzustellen.

Allmählich beginnt der Verfall des Rittertums. Städte und Fürsten sind bei Kämpfen nicht mehr auf Ritter angewiesen, sie mieten sich Söldner und Landsknechte ("deutsche Miet-Soldaten"). Die Landsknechte sind mit ihren langen Spießen und später mit Musketen, den ersten Feuerwaffen, den in Rüstungen auf Pferden agierenden Rittern überlegen. Gerade durch den zunehmenden Gebrauch von Feuerwaffen zu Beginn dieses Jahrhunderts hat sich die Waffentechnik der Ritter überlebt. Hinzu kommt, dass mit Hilfe von Kanonen Ritterburgen um ein Vielfaches leichter einzunehmen sind als vorher. Viele Ritter verarmen.

1438. Nach dem Tode Sigismunds beginnt mit Albrecht II. eine rund 300jährige Herrschaftszeit der Habsburger. 1440 folgt Friedrich III. und 1493 dessen Sohn Maximilian I. Weil die Burgen der Habsburger so weit auseinander liegen, richtet Maximilian I. einen regelmäßigen Postverkehr ein. Berittene Postboten der Adelsfamilie von Taxis befördern die Briefe.

1450. Johannes Gutenberg entwickelt in Mainz die erste Buchdruckerei. Die Verbreitung des Buchdrucks macht das gedruckte Wort zu einer Macht im öffentlichen Leben.

1492. Christoph Kolumbus entdeckt Amerika. Das Weltbild wird allmählich erweitert. In dieser Phase der Entdeckung und Eroberung fremder Welten sieht man den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

1512. Maximilian I. teilt das Reich in 10 Reichskreise ein (u.a. Kurrhein, Oberrhein).

Obwohl in Deutschland eine gesteigerte Volksfrömmigkeit erkennbar ist, wird vielerorts Kritik an den Mißständen in den Kirchen geübt. Die Geistlichen führen einen anstößigen Lebenswandel, die Kirche verlangt für ihre Dienste und die Vergabe von Ämtern hohe Abgaben.

1517. Um den Bau der Peterskirche zu finanzieren, schreibt der Papst einen Ablaß aus, d.h. als Zeichen ihrer Reue erwartet die Kirche von den Gläubigen nach der Beichte eine Geldspende. Um diesen Geldablaß in seiner Gemeinde zu unterbinden, schlägt der Kirchenlehrer und Pfarrer Martin Luther 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg. Darin versucht er darzulegen, dass nach den Worten der Bibel die Menschen nicht durch Geldopfer, sondern allein durch ihren Glauben die Gnade Gottes erlangen können. Obwohl Luther damit kein Aufsehen erregen will, verbreiten die mittlerweile entstandenen Druckereien die Thesen im ganzen Land. Dadurch findet Luthers Meinung schnell viele Anhänger.

Nachdem Luther später behauptet, dass auch Päpste und Konzilien sich irren könnten und dass an den Aussagen des 1414 im Konzil zu Konstanz verurteilten Johannes Hus einiges Wahres dran gewesen sei, bricht er endgültig mit der Kirche. Mit der Verbrennung der Bannandrohung sagt er sich von der römischen Kirche los.

1519. Die Kurfürsten wählen Karl V., den Enkel Maximilians und König von Spanien, Neapel und Sizilien, zum deutschen König.

1521. Zwei Jahre nach seiner Wahl kommt Karl V. nach Deutschland. Zu seinem ersten Reichstag, der in Worms abgehalten wird, lädt er Martin Luther ein. Als Luther nicht bereit ist, seine Behauptungen zu widerrufen, erläßt Karl V. wenige Tage später das Wormser Edikt. Darin wird der Pfarrer mit der Acht belegt und es wird jedermann verboten, Luthers Schriften zu lesen oder zu verbreiten.

Nur wenige Fürsten führen das Wormser Edikt in ihren Ländern aus. Somit verbreitet sich Luthers Lehre sehr schnell. Luther selbst wird von seinem Landesherrn auf der Wartburg bei Eisenach in Sicherheit gebracht. Dort beginnt er, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen.

1522. Ermutigt durch den kirchlichen Umbruch fassen einige z.T. verarmte Ritter den Plan, die geistlichen Fürstentümer unter sich aufzuteilen, um so wieder eine Vormachtstellung im Lande zu gewinnen. Zu ihrem Anführer machen sie Franz von Sickingen, der über einige Burgen und ein schlagkräftiges Heer verfügt. Von der Lehre Luthers überzeugt, widersetzt sich Sickingen der Herrschaft der Fürstbischöfe. 1522 versucht er, den Erzbischof von Trier mit Gewalt aus dem Land zu vertreiben. Doch der Landgraf von Hessen und der Kurfürst bei Rhein kommen dem Erzbischof zu Hilfe. Sickingen wird auf seine Burg Nanstein bei Landstuhl zurückgetrieben und bei der Belagerung seiner Feste tödlich verwundet (1523). Die Mauern der Burg halten dem "modernen" Artilleriebeschuß nicht Stand. Das Rittertum ist damit endgültig erloschen.
 
1525. Die Bauern sind zu dieser Zeit fast ausnahmslos Leibeigene oder Hörige ihrer Landesherren. Um neue Kanonen bauen und Landsknechte anmieten zu können, verlangen die Fürsten immer höhere Abgaben. Zudem haben die Bauern keinerlei persönlichen Rechte mehr. Beeinflußt durch die Lehre Luthers, wonach vor Gott alle Menschen gleich sind, kommt es deshalb vermehrt zu Aufständen der Bauern. Vielerorts versuchen die Bauern, durch Vereinbarungen mit den Fürsten mehr Rechte zu erhalten. Doch als die Herren kein Entgegenkommen zeigen, bricht mit dem Bauernaufstand die erste große Massenerhebnung der deutschen Geschichte aus. Jedoch werden die Aufstände durch die Heere der Landesfürsten rasch niedergeschlagen. Aufständische Dörfer werden niedergebrannt, unzählige Bauern hingerichtet.
            
Ausgangspunkt für den Bauernaufstand in der Pfalz ist der Weinort Nußdorf (heute Stadtteil von Landau). Gestärkt durch einige Schoppen Wein anläßlich der Kirchweih brechen die Bauern am 23. April 1525 auf, um Burgen und Klöster niederzubrennen.

Die Lehre Luthers verbreitet sich recht schnell. Jedoch sind die Anhänger Luthers durch das Wormser Edikt mit der Acht bedroht. Deshalb wird bei fast allen Reichstagen über diese Glaubenssache verhandelt.

1529. Bei einem Reichstag in Speyer spricht sich die Mehrheit der anwesenden Fürsten dafür aus, Luthers Lehre nicht anzuerkennen und das Wormser Edikt umzusetzen. Die Anhänger Luthers protestieren gegen diese Entscheidung, weil sie in Gewissensfragen keinen Mehrheitsbeschluß anerkennen wollen. Seitdem heißen sie Protestanten.

1523. Als einer der ersten führt Pfalzgraf Ruprecht in Pfalz-Zweibrücken die lutherische Kirchenordnung ein.

Da Kaiser Karl V. im Kampf gegen die Franzosen und die Türken auf Unterstützung der Landesfürsten angewiesen ist, lenkt er ein und gibt den neuen Glauben schrittweise frei. Da sich der Kaiser dieser Kirchensache kaum annimmt, wird die Reformation Sache der Landesherren (evangelische Landeskirchen).

1533. Als einer der ersten Landesfürsten führt Graf Ruprecht in Pfalz-Zweibrücken die lutherische Kirchenordnung ein.
            
1546/47. Nachdem Karl V. mit den Franzosen Frieden und mit den Türken einen Waffenstillstand vereinbart hat, wendet er sich der Glaubensfrage zu. Dabei kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den lutherischen Landesfürsten.

1555. Karls Sohn Ferdinand schließt den Augsburger Religionsfrieden. Danach sind die lutherische und die römisch-katholische Konfession gleichberechtigt. Der Landesherr darf bestimmen, welche Konfession seine Untertanen anzunehmen haben. Das Abrücken von einem einheitlichen Bekenntnis verhärtet die konfessionelle Spaltung Deutschlands. In Scharen laufen die Gläubigen zur protestantischen Lehre über. Durch diese Verluste ringt sich die katholische Kirche zu einer inneren Erneuerung durch. Hierbei wirkt der neu gegründete Jesuitenorden entscheidend mit. Das Konzil von Trient (1545 - 1563) kann ebenfalls keine Einigung der beiden Konfessionen erreichen. Dafür wird die katholische Glaubenslehre scharf gegen die reformatorische abgegrenzt. Die Inhalte der katholischen Glaubenslehre werden klar und verbindlich festgelegt. Nach der wieder gefundenen Geschlossenheit geht die römisch-katholische Kirche daran, die an die Lutheraner verlorenen Gebiete zurückzugewinnen (Gegenreformation).

1556. Krank und erschöpft dankt Kaiser Karl V. ab. Von seinem Imperium übergibt er u.a. Spanien, große Teile Italiens, Burgund und die Niederlande an seinen Sohn Philipp (II.). Sein Sohn Ferdinand (I.) erhält Böhmen, die österreichischen Stammlande und die Kaiserwürde. Von da an ist Habsburg in eine spanische und eine deutsche Linie gespalten.

1562. Die Frankenthaler Malerschule wird ins Leben gerufen.            

Während in anderen westeuropäischen Ländern am Ende des 16. Jhdts. bereits fürchterliche Glaubenskriege toben, ist es im deutschen Reich noch relativ ruhig. Doch durch die Gegenreformation nehmen Mißtrauen und Kampfbereitschaft zwischen den Glaubensparteien zu. Um sich gegenseitig zu schützen, schließen sich die evangelischen Fürsten 1608 zu einer "Union" zusammen, an deren Spitze der reformierte Kurfürst Friedrich von der Pfalz steht. Im Folgejahr vereinigen sich die katholischen Fürsten unter der Führung von Herzog Maximilian von Bayern zur "Liga".

Zu dieser Zeit ist Rudolf II. an der Macht. Als König von Böhmen gewährt der deutsche Kaiser den Adligen und Städten in Böhmen freie Religionsausübung.

1619 besteigt Kaiser Ferdinand II. den Thron. Durch seine Ausbildung in Jesuitenschulen ist er ein fester Anhänger des katholischen Glaubens. Da Ferdinand II. in seinen Kernlanden die Protestanten verfolgt, fürchten die protestantischen Fürsten in Böhmen, dass er die Zugeständnisse von Rudolf II. widerrufen würde. Noch bevor Ferdinand II. die Herrschaft in Böhmen antritt, wählen deshalb die böhmischen Fürsten den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen. Dieser nimmt die Wahl an und zieht in Prag ein.

Doch schon im nächsten Jahr kommen die kaiserliche Truppe und Armeen der Liga nach Böhmen und vernichten das Heer Friedrich V. in der Schlacht am Weißen Berg. Damit verliert der Pfälzer Friedrich V. auch die Kurpfalz. Als Dank für seine Unterstützung im Kampf gegen den Böhmenkönig überträgt der Kaiser die pfälzische Kurwürde an Maximilian von Bayern.

Der Konflikt zwischen Ferdinand II. und Friedrich V. zieht bis 1648 weitere Kriege in Niedersachsen, Dänemark, Schweden, Frankreich nach sich. Diese Glaubenskriege, die später in reine Machtkämpfe ausarten, werden als Dreißigjähriger Krieg (1618 - 1648) bezeichnet. Die Pfalz ist mehrfach Kriegsschauplatz, weite Landstriche, über 10.000 Orte und zahlreiche Burgen werden zerstört. Ca. 90 % der Bevölkerung wird getötet oder vertrieben.

1648. Mit dem Westfälischen Frieden endet der Dreißigjährige Krieg. Die Folgen: Katholiken und Protestanten sind gleichberechtigt. Die Schweiz und die Niederlanden scheiden aus dem deutschen Reich aus, Frankreich erhält einen Zugang zum Rhein. Die Befugnisse des Kaisers werden weiter eingeengt. Da die Pfalz zu Bayern gehörte, behält Bayern die pfälz. Kurwürde. Für die Pfalz wird eine achte Kurwürde eingeführt.

Deutschland ist glaubensmäßig ein unheitliches Land. Da das Reich aus fast 2000 selbständigen Territorien besteht, ist Deutschland auf lange Zeit in Europa keine politische und wirtschaftliche Macht mehr. Mit Ferdinand III. (1637 - 1657), Leopold I. (bis 1705), Joseph I. (bis 1711) und Karl VI. stellen die Habsburger bis 1740 den deutschen Kaiser.

1671. Durch den Westfälischen Frieden dehnte sich Frankreich in Richtung Rhein weiter aus. Um zu verhindern, dass die Franzosen weiter in die Pfalz eindringen, vermählt Kurfürst Karl Ludwig seine Tochter Elisabeth Charlotte („Liselotte von der Pfalz“) mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des französischen Königs Ludwig XIV.

1685. Nachdem Karl II. kinderlos stirbt, erbt Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg die Kurpfalz. Dadurch setzt ein Erbstreit ein.

1688 - 1697. Unter dem Vorwand, seiner Schwägerin Liselotte ihre Erbansprüche zu sichern, erhebt Ludwig XIV. Anspruch auf pfälzische Gebiete. Dadurch kommt es zu dem fürchterlichen pfälzischen Erbfolgekrieg, bei dem ein Großteil der Pfalz schwer verwüstet wird.

1697. Im Frieden von Rijswijk verzichtet Frankreich auf die Pfalz. Lediglich Landau bleibt französisch.

1709. Die ersten Pfälzer wandern nach Amerika aus (Auswanderer)

1742. Der Wittelsbacher Karl VII., Kurfürst von Bayern und König von Böhmen, übernimmt die deutsche Kaiserkrone.

1745. Nach dem Tod Karl VII. geht die Kaisermacht wieder an das Haus Habsburg-Lothringen über. Regent ist Franz I., der Gemahl von Maria Theresia.

1755. Der Landesherr der Pfalz, Kurfürst Karl Theodor, gründet die Frankenthaler Porzellanmanufaktur.

1765. James Watt leitet mit der Erfindung einer leistungsfähigen Dampfmaschine das Industriezeitalter ein.

1767. Im Eisenberger Becken wird nachweislich Ton abgebaut. Hieraus entwickelt sich für diese Gegend ein wichtiger Industriezweig.

1777. Kurfürst Karl Theodor erbt das Herzogtum Bayern und die bayerische Kurwürde.

1789. Französische Revolution. Rechtlosigkeit, hohe Steuern und Hungersnot führen in Paris zu einem Aufstand des Volkes gegen den Adel und die hohen Geistlichen. Als sich die Bürger zur Nationalversammlung erklären, beginnt die Revolution. Die Nationalversammlung verkündet die Menschenrechte, ruft die Republik aus und teilt das Land neu ein. Der Adel verliert seine Sonderrechte, 1793 wird der König hingerichtet.

Obwohl (durch die politischen Wirren begünstigt) Napoleon einige Zeit die gesamte Macht in Frankreich an sich ziehen kann, bleiben die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erhalten. Die franz. Revolution wirkt sich u.a. auch auf die Pfalz sowie auf zahlreiche europäische Staaten aus.

1792. Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen wird deutscher Kaiser.

Aus Frankreich geflüchtete Royalisten stellen u.a. in den Bistümern Speyer und Worms Armeen auf. Dies veranlaßt die Pariser Nationalversammlung, Franz II. den Krieg zu erklären. Kurze Zeit später besetzen französische Truppen die linksrheinischen Gebiete.

1798. Die Franzosen gründen das Departement Donnersberg mit 37 Kantonen. Teile der Südpfalz gehören zum elsässischen Departement Bas-Rhin.

1801. Im Frieden von Lunéville werden die linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten.

1804. Napoleon Bonaparte erklärt sich zum Kaiser aller Franzosen.

1806. Unter dem Schutz Napoleons sagen sich 16 süd- und westdeutsche Fürsten vom Hl. Röm. Reich deutscher Nation los und bilden den Rheinbund. Als Folge davon legt Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder und löst das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf.

1813. In der Völkerschlacht bei Leipzig wird Napoleon von den Verbündeten Österreich, Preußen und Russen geschlagen. Der Rheinbund zerfällt.

1814 - 1815. Beim Wiener Kongreß treffen sich europäische Herrscher und Staatsmänner unter der Leitung Fürst Metternichs, um nach dem Sturz Napoleons Europa neu zu ordnen. Der Deutsche Bund, ein Zusammenschluß der 35 Fürstenstaaten und 4 freien Städte, wird geschaffen (er existiert bis 1866). Die linksrheinischen pfälzischen Gebiete fallen ab 1816 an das Königreich Bayern. Der "Bayerische Rheinkreis" wird von Speyer aus verwaltet.

1818. Der Bayerische Rheinkreis wird in 12 Landkommissariate aufgeteilt (Bergzabern, Frankenthal, Germersheim, Homburg, Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel, Landau, Neustadt, Pirmasens, Speyer, Zweibrücken).

Im August 1818 trefen sich Vertreter der Lutheraner und der Reformierten in Kaiserslautern. Nach zweiwöchigen Beratungen gründen sie eine gemeinsame "Vereinigte Protestantisch-Evangelisch-Christliche Kirche der Pfalz".

1832. Hambacher Fest (siehe Lexikon)

1838. Prinzregent Ludwig I. von Bayern gibt dem „Rheinkreis“ die Bezeichnung „Pfalz“.

1848. Als Auswirkung einer bürgerlichen Revolution im März 1848 ("Märzrevolution") tritt am 18. Mai in der Frankfurter Paulskirche erstmals ein gesamtdeutsches Parlament zusammen (Frankfurter Nationalversammlung) mit dem Ziel, einen demokratischen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Dieses Vorhaben läßt sich jedoch nicht umsetzen.

1849. Am 14. Juni kommt es in Kirchheimbolanden zu einem Gefecht zwischen preußischen Truppen und rheinhessischen Freischaren. Die Niederlage der Aufständler führt zum Ende der pfälzischen Revolution. Die erste Eisenbahnlinie der Pfalz (Ludwigshafen - Neustadt - Kaiserslautern - Homburg/Saar) ist fertiggestellt.

1862. In Kaiserslautern öffnet das Pfalztheater.

1865. Die BASF wird gegründet. Auf dem Donnersberg wird der Ludwigsturm eingeweiht.

1866. Die beiden deutschen Großmächte Preußen und Österreich führen einen Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland. Preußen siegt und verdrängt damit Österreich aus Deutschland. Dies führt zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen bildet mit 17 weiteren Kleinstaaten den Norddeutschen Bund.

1871. In Erweiterung des Norddeutschen Bundes wird ein deutscher Staat ("Deutsches Reich") begründet. Der preußische König Wilhelm I. wird zum Deutschen Kaiser proklamiert. Dieser beruft Otto von Bismarck zum Reichskanzler, der die deutsche Innen- und Außenpolitik stark beeinflußt.

1888. Nachdem der Nachfolger von Wilhelm I., Friedrich III. nur wenige Monate regieren konnte, wird nach dessen Tod Wilhelm II. Deutscher Kaiser. Durch sein unausgeglichenes politisches Handeln und sein betont kriegerisches Auftreten trägt er zu einer für Deutschland verhängnisvollen Entwicklung bei. 1890 wird Bismarck von ihm entlassen.

1902. In Ludwigshafen wird der Pfälzerwaldverein gegründet.

1904. In Speyer kann die Gedächtniskirche eingeweiht werden. Sie trägt den Namen zur Erinnerung an die Protestation der evangelischen Reichsstände auf dem Speyerer Reichstag im Jahre 1529. Seit diesem Ereignis wird die Bezeichnung „Protestanten“ gebräuchlich.

1906. Mit dem „Kinemathographen-Theater“ öffnet in Ludwigshafen das erste Kino der Pfalz seine Türen.

1909. Zwischen Landau und Eschbach verkehrt die erste Kraftpostlinie in der Pfalz.

1910. In der Pfalz leben rund 937.000 Menschen, so das Ergebnis einer Volkszählung.

1912. In München stirbt der Prinzregent Luitpold. In Ludwigshafen wird die Pfalzwerke AG gegründet.

1913. Die Rhein-Haardt-Bahn verkehrt erstmals zwischen Bad Dürkheim und Mannheim.

1914. Prinzessin Hildegard von Bayern weiht in Zweibrücken des Rosengarten ein (Europas Rosengarten).

1914 - 1918. Erster Weltkrieg. Luftangriffe über der Pfalz fordern zahlreiche Tote. Die Lebensmittelversorgung ist zeitweise katastrophal. Mehr als die Hälfte der über 2.200 pfälzischen Kirchenglocken werden zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Mit Ludwig III. kommt 1917 letztmals ein bayerischer König in die Villa Ludwigshöhe. Theodor von Winterstein wird 1918 neuer Regierungspräsident der Pfalz. Nach dem militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches kommt es zu Aufständen, deren Anhänger das Ziel verfolgen, die Monarchie zu stürzen und eine parlamentarische Republik zu gründen. Bei Ausbruch dieser Novemberrevolution (1918) dankt Kaiser Wilhelm II. ab und geht in die Niederlanden ins Exil.

1919. Johannes Hoffmann (SPD) aus Kaiserslautern wird Nachfolger des ermordeten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Der Versailler Vertrag trennt die bayerische Pfalz und die Saarpfalz.

1921. Eine Explosion im Stickstoffwerk Oppau der BASF fordert 561Tote, rund 2.000 Verletzte und zerstört den Stadtteil Oppau weitgehend.

1922. Erstmals gibt es in der Pfalz eine Großstadt: Ludwigshafen überschreitet die 100.000-Einwohner-Grenze.

1923. Mit französischer Unterstützung versuchen Separatisten, die Pfalz vom Deutschen Reich zu trennen und daraus eine unabhängige Republik Pfalz zu bilden. Dieses Vorhaben scheitert am Widerstand der Bevölkerung. Am 9. Januar 1924 wird der Anführer der Separatisten in Speyer erschossen, am 12. Februar 1924 wird das von Separatisten besetzte Landratsamt in Pirmasens in Brand gelegt.

1925. Anlässlich der Süddeutschen Gartenbauausstellung wird in Ludwigshafen der Ebertpark errichtet.

1926. Josef Bürckel, dem in den folgenden Jahren im Hitler-Regime wichtige Funktionen übertragen wurden, wird Gauleiter der NSDAP Rheinland.

1929. Im Februar dieses Jahres ist das Wasser im Rhein so stark gefroren, dass die Menschen den Fluß zu Fuß überqueren können.

1930. Zum 30. Juni wird die seit dem Ende des 1. Weltkriegs währende französische Besatzungszeit beendet.

1931. In Neustadt wird erstmals eine pfälzische Weinkönigin gewählt. Die Krone erhält Ruth Bachrodt aus Pirmasens.

1933. Adolf Hitler wird zum Reichskanzler gewählt. Wilhelm Frick aus Alsenz gehört als Innenminister der Regierung an. Am 1. April wird zu einem Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen.

1935. Das Saargebiet entscheidet sich mit 90 % der Stimmen für eine Wiederangliederung an das Deutsche Reich. Die Deutsche Weinstraße wird als erste Touristikroute Deutschlands ins Leben gerufen. Ein Jahr später wird das Deutsche Weintor in Schweigen eingeweiht.

1937. Die erste Autobahn der Pfalz wird gebaut, sie verläuft von Wattenheim bis Kaiserslautern-Ost. Mit Beginn des Schuljahres 1937/38 müssen die konfessionellen Volksschulen den „Christlichen Gemeinschaftsschulen“ mit nationalsozialistischer Kontrolle weichen.

1938. Im Juli beginnt der Bau des Westwalls, der Teil einer Befestigungsanlage war, die von Aachen bis zur Schweizer Grenze verlief. Allein in der Pfalz waren damit rund 40.000 Personen beschäftigt. In der „Reichskristallnacht (vom 9. zum 10. November) werden auch in der Pfalz zahllose Synagogen, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger zerstört.

1939. Laut einer Volkszählung wohnen in der Pfalz 1,05 Mio. Menschen.

1939 - 1945. Zweiter Weltkrieg. Teile der pfälzischen Bevölkerung werden mehrmals evakuiert, bereits in den ersten Kriegstagen müssen in über 80 Dörfern und Städten entlang der französischen Grenze mehr als 400.000 Menschen ihre Häuser und Wohungen verlassen. Der Krieg fordert unzählige Menschenleben, vor allem die Städte wie Ludwigshafen, Zweibrücken, Pirmasens und Landau werden zu einem Großteil zerstört. Fast alle Juden in der Pfalz, von denen nur die wenigsten fliehen konnten, werden deportiert oder vertrieben. Amerikanische und französische Truppen besetzen im März 1945 die Pfalz. Im Mai 1945 kapitulieren die deutschen Streitkräfte.

1945. Die amerikanische Militärregierung bildet am 10. Mai das Oberpräsidium Saarland-Pfalz-Südhessen, das aus dem Saarland, der Pfalz (ohne die franz. besetzten Gebiete) sowie Rheinhessen besteht. Diese Provinzialregierung mit Sitz in Neustadt ist die erste deutsche Behörde im besetzten Deutschland. Am 25. Mai werden die Regierungsbezirke Koblenz und Trier angegliedert und die Verwaltung in „Mittelrhein-Saar“ umbenannt. Im Juli kommt die Pfalz unter französische Macht. Zur französischen Besatzungszone gehören neben der Pfalz das Saargebiet, der südliche Teil der Rheinprovinz, Hessen-Nassau, Südbaden und Südwürttemberg. Am 29. September erscheint die erste Ausgabe der Tageszeitung „DIE RHEINPFALZ“.

1946. Durch eine Verordnung des franz. Generalgouverneurs Pierre Koenig vom 30. August wird das Land "Rheinland-Pfalz" geschaffen. Mainz wird als Landeshauptstadt festgelegt. Am 15. September finden die ersten Kommunalwahlen nach dem 2. Weltkrieg statt. Am 17. November wählen die Gemeinderäte und Kreistagsabgeordneten die 127 Mitglieder der Beratenden Landesversammlung, die unter anderem eine neue Verfassung für das Land Rheinland-Pfalz ausarbeiten soll. Am 29. November wird eine vorläufige Landesregierung gebildet mit Dr. Wilhelm Boden (CDU) als Ministerpräsident. Die Pfälzer leiden weiterhin unter erheblicher Lebensmittelknappheit.

1947. Eine Volksabstimmung am 18. Mai stimmen 53 % der Wähler der neuen Verfassung von Rheinland-Pfalz. zu Damit ist „Rheinland-Pfalz“ offiziell „geboren“. Im Regierungsbezirk Pfalz votieren nur 40,3 % der Abstimmenden für die Verfassung. Die Pfalz behält das bis dahin bestehende eigene Bezirksparlament, den Bezirkstag. Am gleichen Tag wird auch der erste Landtag für Rheinland-Pfalz gewählt. Die CDU erhält 47,2 %, die SPD 34,6 %, die KPD 8,7 %, die Liberale Partei 6,1 % und der Soziale Volksbund 3,6 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 77,8 %. Peter Altmeier wird Ministerpräsident (und bleibt es bis 1969).

1949. Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland heißt Konrad Adenauer, der Bundespräsident Theodor Heuss. In Neustadt erstmals eine Deutsche Weinkönigin gewählt, es ist Elisabeth Kuhn aus Diedesfeld.

1950. Der pfälzische Bezirkstag tritt erstmals wieder zusammen.

1951. Angeführt von Fritz Walter schlägt der 1. FC Kaiserslautern im Endspiel Preußen Münster mit 2:1 und ist deutscher Fußballmeister.

1952. Der weltbekannte Nähmaschinenhersteller PFAFF in Kaiserslautern feiert mit seinen 5.000 Mitarbeitern das 90-jährige Firmenjubiläum. Ab dem Jahresende strahlt das erste deutsche Fernsehen ein regelmäßiges Programm aus.

1953. Der 1. FC Kaiserslautern wird durch einen 4:1-Sieg über den VfB Stuttgart zum zweiten Mal deutscher Fußballmeister.

1954. Die Pfalz im Freudentaumel: Mit fünf Spielern des 1. FCK wird die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister.

1956. Ein Volksbegehren mit dem Ziel, die Pfalz an Baden-Württemberg oder an Bayern anzugliedern, scheitert.

1961. Der Bau der Berliner Mauer trennt auch zahlreiche pfälzische Familien von ihren Verwandten und Freunden im Osten Deutschlands.

1963. In Wörth beginnt das Mercedes-Benz-Werk mit der Produktion von LKWs und schafft damit mehrere tausend Arbeitsplätze. Nach dem Rücktritt Adenauers wird Ludwig Erhard Bundeskanzler der BRD. Mit dem ZDF können die Pfälzer nun ein zweites Fernsehprogramm empfangen.

1966. Das OPEL-Werk in Kaiserslautern nimmt mit über 2.000 Arbeitnehmern die Produktion auf. Der amtierende Europameister Karl Mildenberger aus Kaiserslautern boxt in Frankfurt gegen Muhammad Ali um den Titel des Boxweltmeisters im Schwergewicht.

1968. Die Regierungsbezirke Rheinhessen und Pfalz werden ab 1. Oktober zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz mit Sitz in Neustadt zusammengelegt. In Kaiserslautern ragt Europas höchstes Rathaus in den Himmel.

1969. Im Rahmen einer Verwaltungsreform werden die Landkreise in der Pfalz neu strukturiert. Unter anderem entstehen die Landkreise Südwestpfalz (Landau und Bad Bergzabern) und der Donnersbergkreis (Kirchheimbolanden und Rockenhausen), die Kreise Frankenthal, Neustadt, Speyer und Zweibrücken werden in andere Kreise integriert. Bei einigen Städten werden umliegende Orte eingemeindet, zahlreiche Orte werden „zwangsvereinigt“, so auch die südpfälzischen Gemeinden Bundenthal und Bruchweiler-Bärenbach zur Gemeinde Wieslautern. Bisher selbständige Orte werden verwaltungsmäßig in Verbandsgemeinden zusammengefasst. Helmut Kohl (CDU) wird Nachfolger Altmeiers im Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. Die Koalition aus SPD und FDP bestimmt Willy Brandt zum Bundeskanzler.

1970. In Kaiserslautern entsteht die erste pfälzischen Universität.

1971. Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz schafft die CDU mit Helmut Kohl die absolute Mehrheit. Der Terrorismus der 1970er Jahre macht auch vor der Pfalz nicht Halt. Ende 1971 wird in Kaiserslautern eine Bank überfallen, ein Polizist wird erschossen. Ein halbes Jahr später überfallen Anhänger der Baader-Meinhof-Bande eine Bank in Ludwigshafen.

1973. Ein Spiel, das Geschichte schreibt: Am 20. Oktober gewinnt der 1. FCK gegen den FC Bayern München nach einem 1:4 Rückstand noch mit 7:4 Toren. Die Ölkrise sorgt dafür, dass die pfälzischen Straßen an mehreren autofreien Sonntagen gespenstisch leer sind.

1974. Helmut Schmidt übernimmt die Nachfolge des zurückgetretenen Willy Brandt (Guillaume-Affäre) im Amt des Bundeskanzlers.

1975. In Deutschland ist man nun bereits mit 18 Jahren volljährig.

1976. Zum neuen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz wird der Speyerer Bernhard Vogel (CDU) gewählt.

1978. Der Landkreis Landau-Bad Bergzabern erhält den neuen Namen "Südliche Weinstraße".

1982. Der neue Bundeskanzler ist ein echter Pfälzer: Dr. Helmut Kohl (CDU) wird am 1. Oktober vereidigt.

1984. In Ludwigshafen startet als bundesweites Pilotprojekt das erste deutsche Privatfernsehen.

1985. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan besucht das Hambacher Schloß.

1986. Die Amerikaner sagen zu, ihre chemischen Waffen aus dem Lager bei Clausen zu entfernen.

1987. Papst Johannes Paul II. besucht am 4. Mai Speyer. Die CDU verliert bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit, regiert jedoch in einer Koalition mit der FDP weiter.

1988. Carl-Ludwig Wagner (CDU) übernimmt von dem zurückgetretenen Bernhard Vogel das Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. In Ramstein-Miesenbach verlieren bei der Flugtag-Katastrophe 70 Menschenihre Leben, mehrere hundert Besucher werden verletzt.

1989. Aufgrund eines Landtagsbeschlusses werden Bundenthal und Bruchweiler-Bärenbach (Kreis Südwestpfalz) wieder eigenständige Gemeinden (siehe auch 1969).

1990. Das sowjetische Staatsoberhaupt Michael Gorbatschow, der Mit-Wegbereiter der deutschen Einheit, wird bei seinem Besuch in der Pfalz frenetisch gefeiert. Unter starkem Polizeischutz setzen sich bei Clausen die Giftgas-Transporte in Bewegung.

1991. Mit Rudolf Scharping wird erstmals ein SPD-Politiker Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Der 1. FC Kaiserslautern holt mit Trainer Karl-Heinz Feldkamp zum dritten Mal den Titel des Deutschen Fußballmeisters in die Barbarossastadt.

1994. Der Pfälzer Kurt Beck (SPD) aus Steinfeld übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Seit diesem Jahr werden die Bürgermeister und Landräte von den Bürgern direkt gewählt.


1997: Der Landkreis Pirmasens wird in Landkreis Südwestpfalz umbenannt. In der Pfalz leben 1,4 Millionen Menschen.

1998: Nach den Tief der Triumpf: Der 1. FCK erringt als Aufsteiger in die erste Bundesliga mit Trainer Otto Rehagel den Meistertitel. Die gesamte Pfalz feiert.

2000. Durch eine Reform und Neuorganisation der Landesverwaltung endet die Ära der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz. In Neustadt wird ab 1. Januar die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) geschaffen.