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Die
Geschichte der Pfalz
In dieser Ausarbeitung wird die deutsche Geschichte
unter besonderer Berücksichtigung der Pfalz etwas ausführlicher erläutert.
Dadurch sollen einige Erklärungen im Lexikon verständlicher gemacht werden.
Um 1800 v. Chr.
wird das Bronzegießen zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen in Europa
bekannt (= Beginn der Bronzezeit). Im westlichen Ostseebereich vermischt
sich das Bauernvolk mit Eindringlingen aus Vorderasien. In diesem Volk wird
der Ursprung der Germanen gesehen. Eine ihrer Sitten ist es, die Toten in
ausgehöhlten Eichenstämmen beizusetzen und einen gewaltigen Erdhügel darüberzuwölben
(= Hügelgräber).
In dieser Bronzezeit bildet sich dort, wo heute Süddeutschland, die Nordschweiz
und Ostfrankreich liegen, ein Volk mit bäuerlicher Kultur, die Ur-Kelten.
Auch sie bedecken ihre Gräber mit Hügeln.
1200 v. Chr. Stämme aus dem Gebiet der heutigen CSFR, Polen
und Ost-Deutschland dringen in das Gebiet der Ur-Kelten ein. Aus der Verbindung
der Eindringlinge mit den Ur-Kelten entsteht das Volk der Kelten.
800 v. Chr. Lange vor den Germanen kennen die Kelten die Verwendung
des Eisens. Mit Beginn der Eisenzeit, die auf die Bronzezeit folgt, nehmen
die Kelten eine führende Rolle in Mitteleuropa ein. Sie erbauen mächtige
Befestigungen. Oft umschließt ein gewaltiger Wall aus zwei Palisadenwänden,
deren Zwischenraum mit Steinen ausgefüllt ist, die Keltenstätten. Reste eines
solchen Keltenwalls findet man auf dem Donnersberg (Keltenweg).
Die Germanen breiten sich im Osten bis an die Oder und Weichsel, im Westen
bis an den Rhein und im Süden bis zu den deutschen Mittelgebirgen aus. Um
500 v. Chr. sind Germanen und Kelten unmittelbare Nachbarn.
Überbevölkerung, Abenteuerlust und der Wille, Reichtümer zu erwerben, treiben
die Kelten auf Wanderungen. Sie breiten sich nach allen Richtungen aus. Zwischen
300 und 100 v. Chr. herrschen Kelten zwischen dem Schwarzen Meer und dem
Atlantischen Ozean, von den deutschen Mittelgebirgen bis nach Oberitalien.
200 v. Chr. Weil das Klima im Norden kühler und rauher geworden
ist und die Sturmfluten Teile des Küstenlandes verschlingen, setzt auch bei
einzelnen Stämmen der Germanen eine Völkerwanderung ein.
Diese Stämme dringen bis zu den Ostalpen vor. Obwohl sie sich dort in friedlicher
Absicht niederlassen wollen, werden sie von einem römischen Heer angegriffen.
Aus dem erstmaligen Aufeinandertreffen von Germanen und Römern (113 v. Chr.)
gehen die Germanen als Sieger hervor. Zwölf Jahre später werden die germanischen
Stämme in Oberitalien dann doch noch vernichtet.
55. v. Chr. Ganz Gallien, das Land zwischen Atlantischem Ozean
und Rhein, steht unter römischer Herrschaft. Somit herrschen die Römer auch
über das Gebiet der heutigen Pfalz.
83. Im Rahmen
einer römischen Verwaltungsreform wird die Provinz Germania Superior gebildet.
Bis auf den westlichen Teils des heutigen Landkreises Pirmasens gehört die
gesamte Pfalz zu dieser Provinz.
90. Das römische Reich erstreckt sich auf die Lande links des
Rheins und südlich der Donau. Um einen einheitlichen Grenzverlauf zu haben,
erobern die Römer das Gebiet zwischen den Strömen und beginnen mit dem Bau
eines befestigten Grenzwalles, dem Limes. Die Grenzanlage (z.T. aus Pfählen,
z.T. aus Steinen), die das röm. Reich gegen die Germanen schützen soll, zieht
sich von Neuwied bis zum Main und weiter bis nach Regensburg. Im Abstand
von ca. 2 Wegestunden entstehen entlang der Grenze Kastelle (Steinfestungen
mit Kasernen, Stallungen und Vorratsräumen).
260. Durch ständige Kämpfe gegen germanische Stämme geschwächt,
geben die Römer das Land zwischen Rhein und Donau auf und ziehen sich wieder
an den Rhein zurück. Dadurch entstehen u.a. bei Speyer und Germersheim "Limes-Kastelle".
Innerhalb des germanischen Reiches gibt es eine Vielzahl von Stämmen bzw.
Völkern. Da die Bevölkerung ständig wächst, rücken die Stämme immer enger
zusammen. Mit der Zeit entwickeln sich sechs bedeutende germanische Stammesverbände:
die Franken (ungefähr auf dem Gebiet der Niederlanden), die Sachsen (Norddeutschland),
Bayern, Friesen, Thüringer und die Alemannen. Die Alemannen werden erstmals
212 am oberen Main genannt. Sie durchdringen um 260 den ursprünglichen Limes
und dehnen sich bis zum 5. Jhdt. über die heutige Pfalz, das Elsaß und die
Nordschweiz aus.
Das Mittelalter beginnt. Darunter ist in Westeuropa ungefähr die Zeit zwischen
dem Ende der Herrschaft der Römer (486) und der Entdeckung Amerikas (1492)
bzw. dem Beginn der Reformation (1517) zu verstehen. Das Mittelalter wird
in drei Epochen eingeteilt:
486 - 1000 Frühmittelalter,
1000 - 1250 Hochmittelalter,
1250 - 1492 Spätmittelalter.
482. Chlodwig, aus dem Geschlecht der Merowinger, macht sich
zum König aller Franken, einem westgermanischen Stamm auf dem Gebiet der
heutigen Niederlanden. Mit seinem großen Machtwillen dehnt er sein Reich
weiter aus.
486 erobert er Gallien, die letzte Provinz des weströmischen
Reiches.
496. Chlodwig schlägt die Alemannen und drängt sie bis ins Elsaß
und an die Alpen zurück. Somit kommen die Franken in die Pfalz.
498. Als erster Germanenfürst nimmt Chlodwig den römisch-katholischen
Glauben an. Dadurch sichert er sich die Unterstützung der katholischen Bischöfe.
Die Söhne Chlodwigs vergrößern das Frankenreich in den folgenden Jahrzehnten,
so dass das heutige Frankreich, die Be-Ne-Lux-Länder, die Schweiz sowie Teile
von Deutschland, Österreich und Bayern dazugehören. Aufgrund zunehmender
Streitigkeiten teilen die Nachfolger Chlodwigs das Frankenreich in drei selbständige
Teilbereiche:
- Austrien (Hauptort Metz),
- Neustrien,
- Burgund.
Die Pfalz gehört zu Austrien.
Da sich die fränkischen Teilkönige durch ständige Kämpfe gegenseitig schwächen,
gewinnen die Hausmeier (Verwalter der Königsgüter) an Macht. In Austrien
(und später auch in Neustrien) hat die Familie der Karolinger das Amt des
Hausmeiers inne und vererbt es innerhalb der Familie weiter. Aus diesem Geschlecht
geht Karl Martell hervor, der das Frankenreich (732) und damit das westliche
Europa vor den Arabern rettet. Somit ist der Hausmeier Martell der wahre
Herrscher des Frankenreiches.
7./8. Jhdt. Mönche von den britischen Inseln kommen in das Frankenreich,
um das seit Chlodwig verbreitete Christentum zu erneuern. Der bekannteste
von ihnen ist der Benediktinermönch Bonifatius (672 - 754), der als Beauftragter
des Papstes durch die Lande zieht. Er gründet mehrere Klöster. Karl Martell
schützt Bonifatius und auch die anderen Glaubensboten, weil diese durch die
Verbreitung des Evangeliums und die straffe Ordnung der Kirche (Gründung
von Bistümern) zur Einheit des Frankenreichs beitragen.
742. Ein weiterer Mönch namens Pirminius kommt in die Gegend
der heutigen Pfalz, wo er bei Zweibrücken das Kloster Hornbach gründet. Von
dort erfolgt die Christianisierung der Pfalz. Der Hl. Pirminius gilt als
der Gründer der Stadt Pirmasens.
751. "Wer soll König sein: Der, der den Namen trägt oder der
die Macht hat?" Diese Frage trägt Pippin, der Sohn Karl Martells, an den
Papst heran. Als dieser bestätigt "der, der tatsächlich die Macht hat", wird
der Karolinger Pippin von der fränkischen Heeresversammlung offiziell zum
König gewählt. Damit findet die Zeit der Merowinger ihr Ende.
768. Nachfolger Pippins als Frankenkönig wird dessen Sohn Karl.
Er unterwirft die Sachsen und zwingt sie, den christlichen Glauben anzunehmen.
788 gliedert Karl auch noch den letzten freien Teil Bayerns
seinem Reich an. Dadurch sind im Frankenreich erstmals alle Stämme vereint,
die später das deutsche Volk bilden sollten.
Karl der Große teilt das Reich in Grafschaften ein. Als Vertreter des Königs
ernennt er für jede Grafschaft einen Grafen.
König Karl residiert nicht in einer festen Hauptstadt. Er zieht mit seinem
Gefolge von Pfalz zu Pfalz (lat. "palatium" = Palast), um die innere Ordnung
in seinem Reich zu sichern und um Reichstage (Gerichtsverhandlungen) abzuhalten.
Diese Pfalzen sind keine Schlösser, sondern große Güter und Getreidesammelhöfe.
Karl fördert in besonderem Maße Kultur, Bildung und Wissenschaft.
800. Karl zieht nach Rom, um Papst Leo III. (wie schon sein
Vater Pippin) vor dem römischen Adel zu schützen. Als Dank überrascht der
Papst Karl damit, dass er ihn an Weihnachten zum Kaiser krönt. Mit Karl dem
Großen gibt es nach einigen hundert Jahren wieder einen Kaiser in Westeuropa.
Zur Zeit Karls des Großen entwickelt sich eine neue Gesellschaftsordnung:
der Lehnstaat (Feudalismus). Weil der König in dieser Zeit der Naturalwirtschaft
wenig Geld besitzt, belohnt er seine Gefolgsleute für ihre Treue und für
geleistete (Kriegs-)Dienste mit Land aus erobertem Besitz. Der Grundbesitz
wird jedoch nicht Eigentum des Gefolgsmannes, sondern ist diesem nur geliehen
(Lehen). Grafen und andere große Lehensmänner umgeben sich ihrerseits mit
Gefolgsleuten. Dadurch entsteht eine ganze Abfolge von Lehensabhängigkeiten
(Lehnspyramide),die für die politische und soziale Ordnung des Mittelalters
kennzeichnend ist.
843. Die Enkel Karls des Großen teilen das Frankenreich im Vertrag
von Verdun in Nord-Süd-Richtung in drei Teile:
- Lothar erhält die Kaiserkrone, Italien und den mittleren
Teil des Reiches (Lotharingen / Lothringen),
- Karl (der Kahle) bekommt Westfranken,
- Ludwig (der Deutsche) erhält Ostfranken.
Durch weitere Teilungen (870 in Meersen, 880 in Ribemont) kommen Lothringen
sowie weitere Gebiete des Mittelreiches zu dem ostfränkischen Reich hinzu.
Nach der Teilung von Verdun gehörte vermutlich schon ein Stück der jetzigen
Pfalz zu Ostfranken. Nach der letzten Teilung ist das pfälzische Gebiet komplett
ins ostfränkische Reich integriert.
Da in Ostfranken hauptsächlich deutsch (theodiscus = volkstümlich, Bezeichnung
für die fränkisch-germanische Volkssprache) gesprochen wird, kommt für das
Ostreich allmählich der Name Deutschland auf.
911. Mit dem Tod Ludwig IV. (das Kind) stirbt der letzte Herrscher
aus dem Geschlecht der Karolinger. Da er, ebenso wie seine Vorgänger, ein
schwacher König war, übernehmen im Laufe der Zeit in einigen Stammesgebieten
die Grafen die Macht. Als Stammesherzöge versuchen sie, vom König unabhängig
zu werden. Als Nachfolger von Ludwig IV. wählen die Herzöge Konrad, den Herzog
der Franken, zum König.
919. Obwohl nicht alle Stämme hinter ihm stehen, wird der Sachsenherzog
Heinrich I. zum ostfränkischen-deutschen König gewählt. Er ist sozusagen
der erste deutsche König. Mit Waffengewalt hält er Lothringen im ostfränkischen
Reich. In dieser Zeit spricht man erstmals vom Deutschen Reich.
936. Nach dem Tod Heinrichs I. folgt dessen Sohn Otto I., der
939 in Aachen gekrönt wird. Im Geiste Karls des Großen festigt er das deutsche
Reich. Dazu macht er geistliche Würdenträger (Bischöfe, Äbte usw.) durch
die Vergabe von Herrschaftsrechten (Richteramt, Münzen prägen, Zölle erheben
etc.) zu treuen Stützen des deutschen Königtums. Hieraus entwickeln sich
die Fürstbischöfe. Die Einheit und das Recht versucht er zu sichern, indem
er in jedem Herzogtum einen ihm ergebenen Pfalzgrafen einsetzt, der dem Gericht
vorsteht und die Königsgüter beaufsichtigt.
962. Otto I. schützt ebenfalls Oberitalien und den Kirchenstaat.
Als Gegenleistung krönt ihn Papst Johannes zum Kaiser.
Anmerkung: Da nur dem Papst das Recht der Kaiserkrönung vorbehalten ist,
ist es für die deutschen Könige wichtig, die Herrschaft über Oberitalien
und Rom zu haben bzw. als Beschützer des Kirchenstaates angesehen zu werden.
973. Otto II. (bis 983) und Otto III. sind die vorerst letzten
Sachsenkaiser des Deutschen Reiches.
1002. Da bei
Otto III. kein männlicher Nachfolger vorhanden ist, wird der Bayernherzog
Heinrich II., ein Urenkel Heinrichs I., zum deutschen König gewählt.
1024. Heinrich II. stirbt kinderlos. Die Fürsten wählen den
Salier Konrad II. zum König. Damit beginnt die Herrschaft der Salier, einem
fränkischen Adelsgeschlecht, deren Macht bis dahin auf die Regionen Nahe,
Speyer und Worms beschränkt war. Als Neuerung macht Konrad II. die kleinen
Lehen erblich, nachdem die großen Lehen (Herzogtümer, Grafschaften) durch
Gewohnheit längst erblich geworden waren. Er vergibt Lehen auch an kleine
und unfreie Dienstmänner (Ministerialien).
1029. Konrad II. beginnt mit dem Bau des Kaiserdomes in Speyer,
der später von Heinrich IV. (ca. 1061) vollendet wird. Der Dom ist die Grabkirche
der salischen Kaiser.
1039. Konrads Sohn, Heinrich III., festigt nicht nur die Machtstellung
als König und späterer Kaiser. Er hilft auch einer vom Kloster Cluny ausgehenden
Reformbewegung, die die Geistlichen wieder zu mehr Zucht und Frömmigkeit
zurückführen will (Cluniazensische Reform), sich innerhalb der Kirche durchzusetzen.
Als Folge davon läßt er drei Päpste absetzen und den Bischof von Bamberg,
einen Anhänger der Reform, zum Papst wählen. Dieser krönt ihn 1046 zum Kaiser.
Heinrich III. ist im Dom zu Speyer beigesetzt.
1056. Als sein Vater stirbt, ist Heinrich IV. noch ein Kind.
Mit 15 Jahren übernimmt er später die Regierung. Ein Aufstand bringt ihn
in starke Bedrängnis. Doch er kann seine Herrschaft festigen.
Dann folgt die Auseinandersetzung mit dem Papst wegen der Einsetzung von
Geistlichen in ihre Ämter (Investitur). Nach dem Willen des Papstes sollen
Bischöfe und Äbte nicht mehr von kirchlichen Laien (dazu zählt auch der König)
eingesetzt werden, sondern nur noch allein vom Papst. Diese neue Regelung
trifft besonders den deutschen König, da die Geistlichen als weltliche Amtsinhaber
bei der Verwaltung des Reiches eine wichtige Stütze sind. Zudem ist zu befürchten,
dass der König nicht mehr über die von ihm an Geistliche verliehene Besitztümer
bestimmen kann.
1076. Bedrängt durch Heinrich IV. beschließen die deutschen
Bischöfe auf einer Synode in Worms, Gregor VII. nicht mehr als Papst anzuerkennen.
Heinrich IV. fordert den Papst schriftlich zum Rücktritt auf. Daraufhin belegt
Gregor VII. den deutschen König mit dem Bann, d.h. der König ist aus der
Kirche ausgeschlossen, alle ihm gegenüber geleisteten Treue-Eide sind nichtig.
Eine Schar deutscher Fürsten nutzt die Gelegenheit und stellt mit Rudolf
von Rheinfelden einen Gegenkönig auf.
1077. Um die Lösung vom Bann zu erlangen, zieht Heinrich IV.
nach Canossa. Dort durch den Papst vom Bann befreit, kehrt der König nach
Deutschland zurück. Im Kampf gegen die treuelosen Fürsten und den Gegenkönig
stellt er seine Macht wieder her.
1106. Heinrich V. erschleicht sich von seinem Vater Heinrich
IV. die Königswürde. Nachdem der Streit um die Investitur auch nach dem Tod
Heinrichs IV. und Gregor VII. fortdauert, erzielt Heinrich V. 1122 im Wormser
Konkordat mit dem Papst einen vorläufigen Kompromiß über die künftige Vorgehensweise
bei der Einsetzung von Geistlichen.
1125. Nach dem Tode Heinrich V., des letzten Saliers, wählen
die deutschen Fürsten Lothar von Supplinburg, Herzog von Sachsen, zum König.
1138. Als Nachfolger des verstorbenen Lothar von Supplinburg
wird Konrad III. aus dem Hause der Staufer zum König gewählt. Damit beginnt
die Zeit der Staufer, einem schwäbischen Fürstengeschlecht, deren Stammburg
Hohenstaufen ist.
1150. Mönche legen den Grundstein für eine Kapelle, die heute
Bestandteil der Wallfahrtsstätte Maria Rosenberg bei Waldfischbach-Burgalben
ist.
1152. Der Staufer Friedrich I. wird in Frankfurt gewählt und
in Aachen auf dem Thron Kaiser Karls zum König gekrönt. Unter Friedrich I.,
der wegen seines roten Bartes den Beinamen Barbarossa erhält, wird das Deutsche
Reich wieder mächtig. Er tritt unerschütterlich für Recht und Gerechtigkeit
ein. 1155 erhält er in Rom die Kaiserkrone. Auch dem Papst gegenüber will
Friedrich I. seine Stellung stärken, indem er Bischöfe und Äbte - entgegen
der Vereinbarungen des Wormser Konkordats - in Ämter einsetzt. Dadurch entbrennt
eine erneute Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und Papst Alexander III.,
die im Frieden von Venedig (1177) ihr vorläufiges Ende findet.
1156. Friedrich I. überträgt seinem Halbbruder Konrad die "Pfalzgrafschaft
bei Rhein" als Lehen.
1158. Kaiser Friedrich Barbarossa läßt im heutigen Kaiserslautern
eine Kaiserpfalz errichten.
1180. Während Friedrich I. Barbarossa häufig in Italien kämpft,
baut der Bayernherzog Heinrich der Löwe seine Macht im deutschen Reich aus.
Da Heinrich den Kaiser bei seinen Kämpfen in Italien nicht unterstützt und
nachdem Heinrich wiederholten Vorladungen bei dem kaiserlichen Gericht nicht
Folge leistet, entzieht ihm Barbarossa die Reichslehen, nämlich die Herzogtümer
Bayern und Sachsen. Bayern fällt an Otto von Wittelsbach. Von da an regieren
die Wittelsbacher bis 1918 in Bayern.
1189. Friedrich I. bricht mit einem Ritterheer zum 3. Kreuzzug
auf. Dabei ertrinkt Barbarossa 1190 in dem Fluß Saleph.
1190. Barbarossa Sohn, Heinrich VI. von Hohenstaufen, ist König
von Deutschland, Italien und Burgund. Durch seine Heirat mit Konstanze von
Sizilien wird er erblicher König von Unteritalien und Sizilien. Damit ist
seine Macht noch größer als die Barbarossas. Bei der Vorbereitung eines erneuten
Kreuzzuges stirbt Heinrich VI. 1197 im Alter von 32 Jahren in Messina. Dieser
plötzliche Tod Heinrich VI. führt zu einem völligen Zusammenbruch der kaiserlichen
Machtstellung.
Da Heinrichs Sohn Friedrich erst drei Jahre alt ist, entbrennt in Deutschland
ein Machtkampf zwischen den Geschlechtern der Staufer und der Welfen. Papst
Innozenz III. nutzt diese politische Lage und baut seine weltliche Macht
aus.
Als Folge dieser Entwicklung erlebt der Burgenbau in der Pfalz seine wichtigste
Zeit. Als äußeres Zeichen ihrer Herrschaft errichten zahlreiche Adelsgeschlechter
eigene Burgen.
In dieser Zeit entsteht um Franz von Assisi ein neuer Mönchsorden, die Franziskaner,
die in Armut und Bedürfnislosigkeit leben und sich in selbstloser Hingabe
um Arme kümmern. Weiterhin entwickelt sich um den Spanier Dominikus der Orden
der Dominikaner, die versuchen, Menschen in ihrem Glauben zu bestärken und
sie zur religiösen Besinnung zurückzuführen.
1212. Als Friedrich mit 14 Jahren mündig wird, ist er zunächst
nur noch König von Sizilien. Doch mit Durchsetzungsvermögen sowie der Hilfe
des Königs von Frankreich und des Papstes gewinnt er die Herrschaft über
das Deutsche Reich zurück. 1215 wird Friedrich II. zum deutschen König gekrönt.
1214. Friedrich II. überträgt dem Wittelsbacher Herzog Ludwig
I. von Bayern die Pfalzgrafschaft bei Rhein. Damit entstehen die ersten Verknüpfungen
zwischen Bayern und der heutigen Pfalz.
Da er in Palermo groß geworden ist, kümmert sich Friedrich II. nach seiner
Kaiserkrönung (1220) hauptsächlich um das geliebte Sizilien und Unteritalien.
In Deutschland läßt er sich zunächst durch einen Kanzler, dann durch den
Herzog von Bayern und schließlich durch seinen Sohn Heinrich vertreten. Um
sich die Gefolgschaft der deutschen Fürsten zu erhalten, tritt ihnen der
Kaiser Hoheitsrechte ab, z.B das Recht, Münzen zu prägen, Zölle zu erheben,
Gerichtsbeamte zu ernennen, Burgen zu bauen und Städte zu gründen. Erstmals
werden die Fürsten auch Landesherren (domini terrae) genannt. Damit wird
die Zersplitterung des Reiches in Territorien eingeleitet.
1237. Durch eine Teilung gehen aus dem Hause Leiningen die Linien
Altleiningen und Leiningen-Dagsburg (im östlichen Pfälzerwald) hervor. Zu
ihren eigenen Burgen nehmen sie weitere Festen zu Lehen. Graf Friedrich III.
von Leiningen beginnt 1238 mit dem Bau der Burg Neuleiningen, die 1242 fertiggestellt
wird.
1250. Friedrich II. stirbt am Sumpffieber.
1268. Als letzter Staufer zieht Friedrichs Enkel Konradin nach
Italien, um sein Erbe anzutreten. Dort unterliegt er dem französischen Ritter
Karls von Anjou, der ihn wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und auf
dem Marktplatz von Neapel enthaupten läßt.
Nach dem Niedergang der Staufer gibt es in Deutschland keine starken Könige
mehr. Das Reich löst sich in zahlreiche selbständige Herrschaftsgebiete auf.
Grafen, Bischöfe und andere Herren regieren in ihrem Territorium wie Könige.
Ursprünglich wurde der König von vielen weltlichen und geistlichen Fürsten
gewählt. Nach dem Sturz der Staufer verringert sich die Zahl der Wahlfürsten
(Kurfürsten, von Chur = Wahl) auf sechs (später sieben) bedeutende Herrscher:
- Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier
- Pfalzgraf bei Rhein (Kurpfalz)
- Herzog von Sachsen
- Markgraf von Brandenburg
- König von Böhmen (ab Ende 13. Jhdt.).
Die Pfalzgrafschaft bei Rhein umfaßt in dieser Zeit ungefähr die Gebiete
links und rechts des Rheins (zw. Bacharach im Norden und der Lauter im Süden)
und der Oberpfalz (nördlich von Regensburg).
1273. Die Kurfürsten versammeln sich in Frankfurt/Main, um der
kaiserlosen Zeit (Interregnum) ein Ende zu setzen. Sie wählen Rudolf von
Habsburg zum deutschen König. Die Habsburger, deren Stammburg in der heutigen
Schweiz lag, verfügen über erheblichen Landbesitz in Elsaß und Schwarzwald.
Seinen Widersacher Ottokar von Böhmen bezwingt Rudolf bei der Schlacht auf
dem Marchfeld. Mit harten Maßnahmen sorgt der König für Sicherheit und Ordnung
im Reich. 1291 stirbt er und wird im Dom zu Speyer beigesetzt.
1291. Da der Habsburger den selbstsüchtigen Kurfürsten zu mächtig
geworden war, wählen sie nicht dessen Sohn Albrecht, sondern den eher unbedeutenden
Grafen Adolf von Nassau zum König.
1298. Da Adolf jedoch eine unglückliche Politik betreibt, wird
er abgesetzt und die Kurfürsten ernennen den Habsburger Albrecht zum König.
Um seine Stellung als König zu verteidigen, zieht Adolf gegen Albrecht in
den Kampf. Bei der Schlacht am Hasenbühl beim pfälzischen Göllheim unterliegt
Adolf von Nassau. Der gefallene Ex-König wird zunächst im Kloster Rosenthal
beigesetzt und einige Jahre später in den Speyerer Dom überführt.
In der Folgezeit werden noch verschiedene machtlose Grafen zum König gewählt.
Gleichzeitig stärken die Kurfürsten ihre Macht.
1338. Die Kurfürsten treten in dem Kurverein zu Rhense zusammen
und erklären, dass die von ihnen gewählten Könige nicht mehr der Bestätigung
durch den Papst bedürfen. Damit weisen sie jeglich Einflußnahme des Papstes
auf die Königswahl zurück.
Wegen der zahlreichen Machtwechsel in Deutschland fällt Italien immer mehr
vom deutschen Reich ab.
1347. Mit Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg erhält das
Reich wieder einen starken Herrscher. Als König von Böhmen hatte er sich
schon einen guten Namen gemacht.
1348. Karl IV. gründet in Prag die erste deutsche Universität
und läßt den Hradschin (Königsburg) bauen. Die "Schwarze Pest" und die damit
einhergehende Judenverfolgung (ihnen wird fälschlicherweise angehängt, sie
hätten die Brunnen vergiftet) führen zu einem schweren wirtschaftlichen Rückschlag
im Deutschen Reich.
1356. In der "Goldenen Bulle" regelt Karl IV. die Wahl des Königs
durch die Kurfürsten auch gesetzlich. Mit diesem ersten Reichsgrundgesetz
werden den Kurfürsten weitgehende Rechte übertragen (z.B. Bergwerke anlegen,
Münzen mit eigenem Bildnis prägen). Die Bewohner kurfürstlicher Gebiete unterstehen
nicht mehr dem königlichen Gericht, sondern der Kurfürst wird oberster Richter.
Es wird auch festgelegt, dass die weltlichen Kurlande ungeteilt an die ältesten
Söhne vererbt werden müssen.
1390. Anfänge der Papierfertigung in Deutschland. Da die Rohstoffe
Wasser und Holz im Übermaß vorhanden sind, entstehen später auch in der Pfalz
Papierfabriken (z.B. am Speyerbach zw. Neustadt und Kaiserslautern).
Die Städte mit ihrem Selbstverwaltungen und Zünften sind auf der Höhe ihrer
Blüte. Langsam vollzieht sich ein Wandel von der durch das Rittertum geprägten
Gesellschaft hin zu einer vom Bürgertum geprägten Gesellschaftsstruktur.
Die Hanse, ein Bund von Handelsstädten, verhilft dem deutschen Handel zu
einer starken Stellung. U.a. führt die Hanse in Nord- und Mitteleuropa die
moderne Geldwirtschaft und den bargeldlosen Zahlungsverkehr ein.
1400. Bei einer Versammlung in Rhense am Rhein setzen die Kurfürsten
König Wenzel aus dem Hause Luxemburg als deutschen König ab. Als dessen Nachfolger
wird der Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst Ruprecht III., zum deutschen König
gewählt. Als König Ruprecht I. regiert der Wittelsbacher bis 1410, wo er
auf seiner Burg Landeskron bei Oppenheim starb.
1410. Nach
dem Tod Ruprechts werden bei der Teilung des Territoriums u.a. das Herzogtum
Pfalz-Zweibrücken und die Kurpfalz gebildet.
1414. Im Konzil zu Konstanz versucht König Sigismund, der Sohn
Karls IV., die Spaltung der Kirche zu verhindern und die innere Ordnung der
Kirche wieder herzustellen.
Allmählich beginnt der Verfall des Rittertums. Städte und Fürsten sind bei
Kämpfen nicht mehr auf Ritter angewiesen, sie mieten sich Söldner und Landsknechte
("deutsche Miet-Soldaten"). Die Landsknechte sind mit ihren langen Spießen
und später mit Musketen, den ersten Feuerwaffen, den in Rüstungen auf Pferden
agierenden Rittern überlegen. Gerade durch den zunehmenden Gebrauch von Feuerwaffen
zu Beginn dieses Jahrhunderts hat sich die Waffentechnik der Ritter überlebt.
Hinzu kommt, dass mit Hilfe von Kanonen Ritterburgen um ein Vielfaches leichter
einzunehmen sind als vorher. Viele Ritter verarmen.
1438. Nach dem Tode Sigismunds beginnt mit Albrecht II. eine
rund 300jährige Herrschaftszeit der Habsburger. 1440 folgt Friedrich III.
und 1493 dessen Sohn Maximilian I. Weil die Burgen der Habsburger so weit
auseinander liegen, richtet Maximilian I. einen regelmäßigen Postverkehr
ein. Berittene Postboten der Adelsfamilie von Taxis befördern die Briefe.
1450. Johannes Gutenberg entwickelt in Mainz die erste Buchdruckerei.
Die Verbreitung des Buchdrucks macht das gedruckte Wort zu einer Macht im
öffentlichen Leben.
1492. Christoph Kolumbus entdeckt Amerika. Das Weltbild wird
allmählich erweitert. In dieser Phase der Entdeckung und Eroberung fremder
Welten sieht man den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.
1512. Maximilian I. teilt das Reich in 10 Reichskreise ein (u.a.
Kurrhein, Oberrhein).
Obwohl in Deutschland eine gesteigerte Volksfrömmigkeit erkennbar ist, wird
vielerorts Kritik an den Mißständen in den Kirchen geübt. Die Geistlichen
führen einen anstößigen Lebenswandel, die Kirche verlangt für ihre Dienste
und die Vergabe von Ämtern hohe Abgaben.
1517. Um den Bau der Peterskirche zu finanzieren, schreibt der
Papst einen Ablaß aus, d.h. als Zeichen ihrer Reue erwartet die Kirche von
den Gläubigen nach der Beichte eine Geldspende. Um diesen Geldablaß in seiner
Gemeinde zu unterbinden, schlägt der Kirchenlehrer und Pfarrer Martin Luther
95 Thesen an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg. Darin versucht er darzulegen,
dass nach den Worten der Bibel die Menschen nicht durch Geldopfer, sondern
allein durch ihren Glauben die Gnade Gottes erlangen können. Obwohl Luther
damit kein Aufsehen erregen will, verbreiten die mittlerweile entstandenen
Druckereien die Thesen im ganzen Land. Dadurch findet Luthers Meinung schnell
viele Anhänger.
Nachdem Luther später behauptet, dass auch Päpste und Konzilien sich irren
könnten und dass an den Aussagen des 1414 im Konzil zu Konstanz verurteilten
Johannes Hus einiges Wahres dran gewesen sei, bricht er endgültig mit der
Kirche. Mit der Verbrennung der Bannandrohung sagt er sich von der römischen
Kirche los.
1519. Die Kurfürsten wählen Karl V., den Enkel Maximilians und
König von Spanien, Neapel und Sizilien, zum deutschen König.
1521. Zwei Jahre nach seiner Wahl kommt Karl V. nach Deutschland.
Zu seinem ersten Reichstag, der in Worms abgehalten wird, lädt er Martin
Luther ein. Als Luther nicht bereit ist, seine Behauptungen zu widerrufen,
erläßt Karl V. wenige Tage später das Wormser Edikt. Darin wird der Pfarrer
mit der Acht belegt und es wird jedermann verboten, Luthers Schriften zu
lesen oder zu verbreiten.
Nur wenige Fürsten führen das Wormser Edikt in ihren Ländern aus. Somit verbreitet
sich Luthers Lehre sehr schnell. Luther selbst wird von seinem Landesherrn
auf der Wartburg bei Eisenach in Sicherheit gebracht. Dort beginnt er, die
Bibel ins Deutsche zu übersetzen.
1522. Ermutigt durch den kirchlichen Umbruch fassen einige z.T.
verarmte Ritter den Plan, die geistlichen Fürstentümer unter sich aufzuteilen,
um so wieder eine Vormachtstellung im Lande zu gewinnen. Zu ihrem Anführer
machen sie Franz von Sickingen, der über einige Burgen und ein schlagkräftiges
Heer verfügt. Von der Lehre Luthers überzeugt, widersetzt sich Sickingen
der Herrschaft der Fürstbischöfe. 1522 versucht er, den Erzbischof von Trier
mit Gewalt aus dem Land zu vertreiben. Doch der Landgraf von Hessen und der
Kurfürst bei Rhein kommen dem Erzbischof zu Hilfe. Sickingen wird auf seine
Burg Nanstein bei Landstuhl zurückgetrieben und bei der Belagerung seiner
Feste tödlich verwundet (1523). Die Mauern der Burg halten dem "modernen"
Artilleriebeschuß nicht Stand. Das Rittertum ist damit endgültig erloschen.
1525. Die Bauern sind zu dieser Zeit fast ausnahmslos Leibeigene
oder Hörige ihrer Landesherren. Um neue Kanonen bauen und Landsknechte anmieten
zu können, verlangen die Fürsten immer höhere Abgaben. Zudem haben die Bauern
keinerlei persönlichen Rechte mehr. Beeinflußt durch die Lehre Luthers, wonach
vor Gott alle Menschen gleich sind, kommt es deshalb vermehrt zu Aufständen
der Bauern. Vielerorts versuchen die Bauern, durch Vereinbarungen mit den
Fürsten mehr Rechte zu erhalten. Doch als die Herren kein Entgegenkommen
zeigen, bricht mit dem Bauernaufstand die erste große Massenerhebnung der
deutschen Geschichte aus. Jedoch werden die Aufstände durch die Heere der
Landesfürsten rasch niedergeschlagen. Aufständische Dörfer werden niedergebrannt,
unzählige Bauern hingerichtet.
Ausgangspunkt für den Bauernaufstand in der Pfalz ist der Weinort Nußdorf
(heute Stadtteil von Landau). Gestärkt durch einige Schoppen Wein anläßlich
der Kirchweih brechen die Bauern am 23. April 1525 auf, um Burgen und Klöster
niederzubrennen.
Die Lehre Luthers verbreitet sich recht schnell. Jedoch sind die Anhänger
Luthers durch das Wormser Edikt mit der Acht bedroht. Deshalb wird bei fast
allen Reichstagen über diese Glaubenssache verhandelt.
1529. Bei einem Reichstag in Speyer spricht sich die Mehrheit
der anwesenden Fürsten dafür aus, Luthers Lehre nicht anzuerkennen und das
Wormser Edikt umzusetzen. Die Anhänger Luthers protestieren gegen diese Entscheidung,
weil sie in Gewissensfragen keinen Mehrheitsbeschluß anerkennen wollen. Seitdem
heißen sie Protestanten.
1523. Als einer der ersten führt Pfalzgraf Ruprecht in Pfalz-Zweibrücken
die lutherische Kirchenordnung ein.
Da Kaiser Karl V. im Kampf gegen die Franzosen und die Türken auf Unterstützung
der Landesfürsten angewiesen ist, lenkt er ein und gibt den neuen Glauben
schrittweise frei. Da sich der Kaiser dieser Kirchensache kaum annimmt, wird
die Reformation Sache der Landesherren (evangelische Landeskirchen).
1533. Als einer der ersten Landesfürsten führt Graf Ruprecht
in Pfalz-Zweibrücken die lutherische Kirchenordnung ein.
1546/47. Nachdem Karl V. mit den Franzosen Frieden und mit den
Türken einen Waffenstillstand vereinbart hat, wendet er sich der Glaubensfrage
zu. Dabei kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser
und den lutherischen Landesfürsten.
1555. Karls Sohn Ferdinand schließt den Augsburger Religionsfrieden.
Danach sind die lutherische und die römisch-katholische Konfession gleichberechtigt.
Der Landesherr darf bestimmen, welche Konfession seine Untertanen anzunehmen
haben. Das Abrücken von einem einheitlichen Bekenntnis verhärtet die konfessionelle
Spaltung Deutschlands. In Scharen laufen die Gläubigen zur protestantischen
Lehre über. Durch diese Verluste ringt sich die katholische Kirche zu einer
inneren Erneuerung durch. Hierbei wirkt der neu gegründete Jesuitenorden
entscheidend mit. Das Konzil von Trient (1545 - 1563) kann ebenfalls keine
Einigung der beiden Konfessionen erreichen. Dafür wird die katholische Glaubenslehre
scharf gegen die reformatorische abgegrenzt. Die Inhalte der katholischen
Glaubenslehre werden klar und verbindlich festgelegt. Nach der wieder gefundenen
Geschlossenheit geht die römisch-katholische Kirche daran, die an die Lutheraner
verlorenen Gebiete zurückzugewinnen (Gegenreformation).
1556. Krank und erschöpft dankt Kaiser Karl V. ab. Von seinem
Imperium übergibt er u.a. Spanien, große Teile Italiens, Burgund und die
Niederlande an seinen Sohn Philipp (II.). Sein Sohn Ferdinand (I.) erhält
Böhmen, die österreichischen Stammlande und die Kaiserwürde. Von da an ist
Habsburg in eine spanische und eine deutsche Linie gespalten.
1562. Die Frankenthaler Malerschule wird ins Leben gerufen.
Während in anderen westeuropäischen Ländern am Ende des 16. Jhdts. bereits
fürchterliche Glaubenskriege toben, ist es im deutschen Reich noch relativ
ruhig. Doch durch die Gegenreformation nehmen Mißtrauen und Kampfbereitschaft
zwischen den Glaubensparteien zu. Um sich gegenseitig zu schützen, schließen
sich die evangelischen Fürsten 1608 zu einer "Union" zusammen, an deren Spitze
der reformierte Kurfürst Friedrich von der Pfalz steht. Im Folgejahr vereinigen
sich die katholischen Fürsten unter der Führung von Herzog Maximilian von
Bayern zur "Liga".
Zu dieser Zeit ist Rudolf II. an der Macht. Als König von Böhmen gewährt
der deutsche Kaiser den Adligen und Städten in Böhmen freie Religionsausübung.
1619 besteigt Kaiser Ferdinand II. den Thron. Durch seine Ausbildung
in Jesuitenschulen ist er ein fester Anhänger des katholischen Glaubens.
Da Ferdinand II. in seinen Kernlanden die Protestanten verfolgt, fürchten
die protestantischen Fürsten in Böhmen, dass er die Zugeständnisse von Rudolf
II. widerrufen würde. Noch bevor Ferdinand II. die Herrschaft in Böhmen antritt,
wählen deshalb die böhmischen Fürsten den Kurfürsten Friedrich V. von der
Pfalz zum König von Böhmen. Dieser nimmt die Wahl an und zieht in Prag ein.
Doch schon im nächsten Jahr kommen die kaiserliche Truppe und Armeen der
Liga nach Böhmen und vernichten das Heer Friedrich V. in der Schlacht am
Weißen Berg. Damit verliert der Pfälzer Friedrich V. auch die Kurpfalz. Als
Dank für seine Unterstützung im Kampf gegen den Böhmenkönig überträgt der
Kaiser die pfälzische Kurwürde an Maximilian von Bayern.
Der Konflikt zwischen Ferdinand II. und Friedrich V. zieht bis 1648 weitere
Kriege in Niedersachsen, Dänemark, Schweden, Frankreich nach sich. Diese
Glaubenskriege, die später in reine Machtkämpfe ausarten, werden als Dreißigjähriger
Krieg (1618 - 1648) bezeichnet. Die Pfalz ist mehrfach Kriegsschauplatz,
weite Landstriche, über 10.000 Orte und zahlreiche Burgen werden zerstört.
Ca. 90 % der Bevölkerung wird getötet oder vertrieben.
1648. Mit dem Westfälischen Frieden endet der Dreißigjährige
Krieg. Die Folgen: Katholiken und Protestanten sind gleichberechtigt. Die
Schweiz und die Niederlanden scheiden aus dem deutschen Reich aus, Frankreich
erhält einen Zugang zum Rhein. Die Befugnisse des Kaisers werden weiter eingeengt.
Da die Pfalz zu Bayern gehörte, behält Bayern die pfälz. Kurwürde. Für die
Pfalz wird eine achte Kurwürde eingeführt.
Deutschland ist glaubensmäßig ein unheitliches Land. Da das Reich aus fast
2000 selbständigen Territorien besteht, ist Deutschland auf lange Zeit in
Europa keine politische und wirtschaftliche Macht mehr. Mit Ferdinand III.
(1637 - 1657), Leopold I. (bis 1705), Joseph I. (bis 1711) und Karl VI. stellen
die Habsburger bis 1740 den deutschen Kaiser.
1671. Durch den Westfälischen Frieden dehnte sich Frankreich
in Richtung Rhein weiter aus. Um zu verhindern, dass die Franzosen weiter
in die Pfalz eindringen, vermählt Kurfürst Karl Ludwig seine Tochter Elisabeth
Charlotte („Liselotte von der Pfalz“) mit Herzog Philipp von Orléans, dem
Bruder des französischen Königs Ludwig XIV.
1685. Nachdem Karl II. kinderlos stirbt, erbt Philipp Wilhelm
von Pfalz-Neuburg die Kurpfalz. Dadurch setzt ein Erbstreit ein.
1688 - 1697. Unter dem Vorwand, seiner Schwägerin Liselotte
ihre Erbansprüche zu sichern, erhebt Ludwig XIV. Anspruch auf pfälzische
Gebiete. Dadurch kommt es zu dem fürchterlichen pfälzischen Erbfolgekrieg,
bei dem ein Großteil der Pfalz schwer verwüstet wird.
1697. Im Frieden von Rijswijk verzichtet Frankreich auf die
Pfalz. Lediglich Landau bleibt französisch.
1709. Die ersten Pfälzer wandern nach Amerika aus (Auswanderer)
1742. Der Wittelsbacher Karl VII., Kurfürst von Bayern und König
von Böhmen, übernimmt die deutsche Kaiserkrone.
1745. Nach dem Tod Karl VII. geht die Kaisermacht wieder an
das Haus Habsburg-Lothringen über. Regent ist Franz I., der Gemahl von Maria
Theresia.
1755. Der Landesherr der Pfalz, Kurfürst Karl Theodor, gründet
die Frankenthaler Porzellanmanufaktur.
1765. James Watt leitet mit der Erfindung einer leistungsfähigen
Dampfmaschine das Industriezeitalter ein.
1767. Im Eisenberger Becken wird nachweislich Ton abgebaut.
Hieraus entwickelt sich für diese Gegend ein wichtiger Industriezweig.
1777. Kurfürst Karl Theodor erbt das Herzogtum Bayern und die
bayerische Kurwürde.
1789. Französische Revolution. Rechtlosigkeit, hohe Steuern
und Hungersnot führen in Paris zu einem Aufstand des Volkes gegen den Adel
und die hohen Geistlichen. Als sich die Bürger zur Nationalversammlung erklären,
beginnt die Revolution. Die Nationalversammlung verkündet die Menschenrechte,
ruft die Republik aus und teilt das Land neu ein. Der Adel verliert seine
Sonderrechte, 1793 wird der König hingerichtet.
Obwohl (durch die politischen Wirren begünstigt) Napoleon einige Zeit die
gesamte Macht in Frankreich an sich ziehen kann, bleiben die Ideale Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit erhalten. Die franz. Revolution wirkt sich
u.a. auch auf die Pfalz sowie auf zahlreiche europäische Staaten aus.
1792. Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen wird deutscher
Kaiser.
Aus Frankreich geflüchtete Royalisten stellen u.a. in den Bistümern Speyer
und Worms Armeen auf. Dies veranlaßt die Pariser Nationalversammlung, Franz
II. den Krieg zu erklären. Kurze Zeit später besetzen französische Truppen
die linksrheinischen Gebiete.
1798. Die Franzosen gründen das Departement Donnersberg mit
37 Kantonen. Teile der Südpfalz gehören zum elsässischen Departement Bas-Rhin.
1801. Im Frieden von Lunéville werden die linksrheinischen Gebiete
an Frankreich abgetreten.
1804. Napoleon Bonaparte erklärt sich zum Kaiser aller Franzosen.
1806. Unter dem Schutz Napoleons sagen sich 16 süd- und westdeutsche
Fürsten vom Hl. Röm. Reich deutscher Nation los und bilden den Rheinbund.
Als Folge davon legt Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder und löst das
alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf.
1813. In der Völkerschlacht bei Leipzig wird Napoleon von den
Verbündeten Österreich, Preußen und Russen geschlagen. Der Rheinbund zerfällt.
1814 - 1815. Beim Wiener Kongreß treffen sich europäische Herrscher
und Staatsmänner unter der Leitung Fürst Metternichs, um nach dem Sturz Napoleons
Europa neu zu ordnen. Der Deutsche Bund, ein Zusammenschluß der 35 Fürstenstaaten
und 4 freien Städte, wird geschaffen (er existiert bis 1866). Die linksrheinischen
pfälzischen Gebiete fallen ab 1816 an das Königreich Bayern. Der "Bayerische
Rheinkreis" wird von Speyer aus verwaltet.
1818. Der Bayerische Rheinkreis wird in 12 Landkommissariate
aufgeteilt (Bergzabern, Frankenthal, Germersheim, Homburg, Kaiserslautern,
Kirchheimbolanden, Kusel, Landau, Neustadt, Pirmasens, Speyer, Zweibrücken).
Im August 1818 trefen sich Vertreter der Lutheraner und der Reformierten
in Kaiserslautern. Nach zweiwöchigen Beratungen gründen sie eine gemeinsame
"Vereinigte Protestantisch-Evangelisch-Christliche Kirche der Pfalz".
1832. Hambacher Fest (siehe Lexikon)
1838. Prinzregent Ludwig I. von Bayern gibt dem „Rheinkreis“
die Bezeichnung „Pfalz“.
1848. Als Auswirkung einer bürgerlichen Revolution im März 1848
("Märzrevolution") tritt am 18. Mai in der Frankfurter Paulskirche erstmals
ein gesamtdeutsches Parlament zusammen (Frankfurter Nationalversammlung)
mit dem Ziel, einen demokratischen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Dieses
Vorhaben läßt sich jedoch nicht umsetzen.
1849. Am 14. Juni kommt es in Kirchheimbolanden zu einem Gefecht
zwischen preußischen Truppen und rheinhessischen Freischaren. Die Niederlage
der Aufständler führt zum Ende der pfälzischen Revolution. Die erste Eisenbahnlinie
der Pfalz (Ludwigshafen - Neustadt - Kaiserslautern - Homburg/Saar) ist fertiggestellt.
1862. In Kaiserslautern öffnet das Pfalztheater.
1865. Die BASF wird gegründet. Auf dem Donnersberg wird der
Ludwigsturm eingeweiht.
1866. Die beiden deutschen Großmächte Preußen und Österreich
führen einen Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland. Preußen siegt und
verdrängt damit Österreich aus Deutschland. Dies führt zur Auflösung des
Deutschen Bundes. Preußen bildet mit 17 weiteren Kleinstaaten den Norddeutschen
Bund.
1871. In Erweiterung des Norddeutschen Bundes wird ein deutscher
Staat ("Deutsches Reich") begründet. Der preußische König Wilhelm I. wird
zum Deutschen Kaiser proklamiert. Dieser beruft Otto von Bismarck zum Reichskanzler,
der die deutsche Innen- und Außenpolitik stark beeinflußt.
1888. Nachdem der Nachfolger von Wilhelm I., Friedrich III.
nur wenige Monate regieren konnte, wird nach dessen Tod Wilhelm II. Deutscher
Kaiser. Durch sein unausgeglichenes politisches Handeln und sein betont kriegerisches
Auftreten trägt er zu einer für Deutschland verhängnisvollen Entwicklung
bei. 1890 wird Bismarck von ihm entlassen.
1902. In Ludwigshafen wird der Pfälzerwaldverein gegründet.
1904. In Speyer kann die Gedächtniskirche eingeweiht werden.
Sie trägt den Namen zur Erinnerung an die Protestation der evangelischen
Reichsstände auf dem Speyerer Reichstag im Jahre 1529. Seit diesem Ereignis
wird die Bezeichnung „Protestanten“ gebräuchlich.
1906. Mit dem „Kinemathographen-Theater“ öffnet in Ludwigshafen
das erste Kino der Pfalz seine Türen.
1909. Zwischen Landau und Eschbach verkehrt die erste Kraftpostlinie
in der Pfalz.
1910. In der Pfalz leben rund 937.000 Menschen, so das Ergebnis
einer Volkszählung.
1912. In München stirbt der Prinzregent Luitpold. In Ludwigshafen
wird die Pfalzwerke AG gegründet.
1913. Die Rhein-Haardt-Bahn verkehrt erstmals zwischen Bad Dürkheim
und Mannheim.
1914. Prinzessin Hildegard von Bayern weiht in Zweibrücken des
Rosengarten ein (Europas Rosengarten).
1914 - 1918. Erster Weltkrieg. Luftangriffe über der Pfalz fordern
zahlreiche Tote. Die Lebensmittelversorgung ist zeitweise katastrophal. Mehr
als die Hälfte der über 2.200 pfälzischen Kirchenglocken werden zu Kriegszwecken
eingeschmolzen. Mit Ludwig III. kommt 1917 letztmals ein bayerischer König
in die Villa Ludwigshöhe. Theodor von Winterstein wird 1918 neuer Regierungspräsident
der Pfalz. Nach dem militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches kommt
es zu Aufständen, deren Anhänger das Ziel verfolgen, die Monarchie zu stürzen
und eine parlamentarische Republik zu gründen. Bei Ausbruch dieser Novemberrevolution
(1918) dankt Kaiser Wilhelm II. ab und geht in die Niederlanden ins Exil.
1919. Johannes Hoffmann (SPD) aus Kaiserslautern wird Nachfolger
des ermordeten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Der Versailler
Vertrag trennt die bayerische Pfalz und die Saarpfalz.
1921. Eine Explosion im Stickstoffwerk
Oppau der BASF fordert 561Tote, rund 2.000 Verletzte und zerstört den Stadtteil
Oppau weitgehend.
1922. Erstmals gibt es in der Pfalz eine Großstadt: Ludwigshafen
überschreitet die 100.000-Einwohner-Grenze.
1923. Mit französischer Unterstützung versuchen Separatisten,
die Pfalz vom Deutschen Reich zu trennen und daraus eine unabhängige Republik
Pfalz zu bilden. Dieses Vorhaben scheitert am Widerstand der Bevölkerung.
Am 9. Januar 1924 wird der Anführer der Separatisten in Speyer erschossen,
am 12. Februar 1924 wird das von Separatisten besetzte Landratsamt in Pirmasens
in Brand gelegt.
1925. Anlässlich der Süddeutschen Gartenbauausstellung wird
in Ludwigshafen der Ebertpark errichtet.
1926. Josef Bürckel, dem in den folgenden Jahren im Hitler-Regime
wichtige Funktionen übertragen wurden, wird Gauleiter der NSDAP Rheinland.
1929. Im Februar dieses Jahres ist das Wasser im Rhein so stark
gefroren, dass die Menschen den Fluß zu Fuß überqueren können.
1930. Zum 30. Juni wird die seit dem Ende des 1. Weltkriegs
währende französische Besatzungszeit beendet.
1931. In Neustadt wird erstmals eine pfälzische Weinkönigin
gewählt. Die Krone erhält Ruth Bachrodt aus Pirmasens.
1933. Adolf Hitler wird zum Reichskanzler gewählt. Wilhelm Frick
aus Alsenz gehört als Innenminister der Regierung an. Am 1. April wird zu
einem Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen.
1935. Das Saargebiet entscheidet sich mit 90 % der Stimmen für
eine Wiederangliederung an das Deutsche Reich. Die Deutsche Weinstraße wird
als erste Touristikroute Deutschlands ins Leben gerufen. Ein Jahr später
wird das Deutsche Weintor in Schweigen eingeweiht.
1937. Die erste Autobahn der Pfalz wird gebaut, sie verläuft
von Wattenheim bis Kaiserslautern-Ost. Mit Beginn des Schuljahres 1937/38
müssen die konfessionellen Volksschulen den „Christlichen Gemeinschaftsschulen“
mit nationalsozialistischer Kontrolle weichen.
1938. Im Juli beginnt der Bau des Westwalls, der Teil einer
Befestigungsanlage war, die von Aachen bis zur Schweizer Grenze verlief.
Allein in der Pfalz waren damit rund 40.000 Personen beschäftigt. In der
„Reichskristallnacht (vom 9. zum 10. November) werden auch in der Pfalz zahllose
Synagogen, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger zerstört.
1939. Laut einer Volkszählung wohnen in der Pfalz 1,05 Mio.
Menschen.
1939 - 1945. Zweiter Weltkrieg. Teile der pfälzischen Bevölkerung
werden mehrmals evakuiert, bereits in den ersten Kriegstagen müssen in über
80 Dörfern und Städten entlang der französischen Grenze mehr als 400.000
Menschen ihre Häuser und Wohungen verlassen. Der Krieg fordert unzählige
Menschenleben, vor allem die Städte wie Ludwigshafen, Zweibrücken, Pirmasens
und Landau werden zu einem Großteil zerstört. Fast alle Juden in der Pfalz,
von denen nur die wenigsten fliehen konnten, werden deportiert oder vertrieben.
Amerikanische und französische Truppen besetzen im März 1945 die Pfalz. Im
Mai 1945 kapitulieren die deutschen Streitkräfte.
1945. Die amerikanische Militärregierung bildet am 10. Mai das
Oberpräsidium Saarland-Pfalz-Südhessen, das aus dem Saarland, der Pfalz (ohne
die franz. besetzten Gebiete) sowie Rheinhessen besteht. Diese Provinzialregierung
mit Sitz in Neustadt ist die erste deutsche Behörde im besetzten Deutschland.
Am 25. Mai werden die Regierungsbezirke Koblenz und Trier angegliedert und
die Verwaltung in „Mittelrhein-Saar“ umbenannt. Im Juli kommt die Pfalz unter
französische Macht. Zur französischen Besatzungszone gehören neben der Pfalz
das Saargebiet, der südliche Teil der Rheinprovinz, Hessen-Nassau, Südbaden
und Südwürttemberg. Am 29. September erscheint die erste Ausgabe der Tageszeitung
„DIE RHEINPFALZ“.
1946. Durch eine Verordnung des franz. Generalgouverneurs Pierre
Koenig vom 30. August wird das Land "Rheinland-Pfalz" geschaffen. Mainz wird
als Landeshauptstadt festgelegt. Am 15. September finden die ersten Kommunalwahlen
nach dem 2. Weltkrieg statt. Am 17. November wählen die Gemeinderäte und
Kreistagsabgeordneten die 127 Mitglieder der Beratenden Landesversammlung,
die unter anderem eine neue Verfassung für das Land Rheinland-Pfalz ausarbeiten
soll. Am 29. November wird eine vorläufige Landesregierung gebildet mit Dr.
Wilhelm Boden (CDU) als Ministerpräsident. Die Pfälzer leiden weiterhin unter
erheblicher Lebensmittelknappheit.
1947. Eine Volksabstimmung am 18. Mai stimmen 53 % der Wähler
der neuen Verfassung von Rheinland-Pfalz. zu Damit ist „Rheinland-Pfalz“
offiziell „geboren“. Im Regierungsbezirk Pfalz votieren nur 40,3 % der Abstimmenden
für die Verfassung. Die Pfalz behält das bis dahin bestehende eigene Bezirksparlament,
den Bezirkstag. Am gleichen Tag wird auch der erste Landtag für Rheinland-Pfalz
gewählt. Die CDU erhält 47,2 %, die SPD 34,6 %, die KPD 8,7 %, die Liberale
Partei 6,1 % und der Soziale Volksbund 3,6 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung
liegt bei 77,8 %. Peter Altmeier wird Ministerpräsident (und bleibt es bis
1969).
1949. Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
heißt Konrad Adenauer, der Bundespräsident Theodor Heuss. In Neustadt erstmals
eine Deutsche Weinkönigin gewählt, es ist Elisabeth Kuhn aus Diedesfeld.
1950. Der pfälzische Bezirkstag tritt erstmals wieder zusammen.
1951. Angeführt von Fritz Walter schlägt der 1. FC Kaiserslautern
im Endspiel Preußen Münster mit 2:1 und ist deutscher Fußballmeister.
1952. Der weltbekannte Nähmaschinenhersteller PFAFF in Kaiserslautern
feiert mit seinen 5.000 Mitarbeitern das 90-jährige Firmenjubiläum. Ab dem
Jahresende strahlt das erste deutsche Fernsehen ein regelmäßiges Programm
aus.
1953. Der 1. FC Kaiserslautern wird durch einen 4:1-Sieg über
den VfB Stuttgart zum zweiten Mal deutscher Fußballmeister.
1954. Die Pfalz im Freudentaumel: Mit fünf Spielern des 1. FCK
wird die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister.
1956. Ein Volksbegehren mit dem Ziel, die Pfalz an Baden-Württemberg
oder an Bayern anzugliedern, scheitert.
1961. Der Bau der Berliner Mauer trennt auch zahlreiche pfälzische
Familien von ihren Verwandten und Freunden im Osten Deutschlands.
1963. In Wörth beginnt das Mercedes-Benz-Werk mit der Produktion
von LKWs und schafft damit mehrere tausend Arbeitsplätze. Nach dem Rücktritt
Adenauers wird Ludwig Erhard Bundeskanzler der BRD. Mit dem ZDF können die
Pfälzer nun ein zweites Fernsehprogramm empfangen.
1966. Das OPEL-Werk in Kaiserslautern nimmt mit über 2.000 Arbeitnehmern
die Produktion auf. Der amtierende Europameister Karl Mildenberger aus Kaiserslautern
boxt in Frankfurt gegen Muhammad Ali um den Titel des Boxweltmeisters im
Schwergewicht.
1968. Die Regierungsbezirke Rheinhessen und Pfalz werden ab
1. Oktober zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz mit Sitz in Neustadt zusammengelegt.
In Kaiserslautern ragt Europas höchstes Rathaus in den Himmel.
1969. Im Rahmen einer Verwaltungsreform werden die Landkreise
in der Pfalz neu strukturiert. Unter anderem entstehen die Landkreise Südwestpfalz
(Landau und Bad Bergzabern) und der Donnersbergkreis (Kirchheimbolanden und
Rockenhausen), die Kreise Frankenthal, Neustadt, Speyer und Zweibrücken werden
in andere Kreise integriert. Bei einigen Städten werden umliegende Orte eingemeindet,
zahlreiche Orte werden „zwangsvereinigt“, so auch die südpfälzischen Gemeinden
Bundenthal und Bruchweiler-Bärenbach zur Gemeinde Wieslautern. Bisher selbständige
Orte werden verwaltungsmäßig in Verbandsgemeinden zusammengefasst. Helmut
Kohl (CDU) wird Nachfolger Altmeiers im Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten.
Die Koalition aus SPD und FDP bestimmt Willy Brandt zum Bundeskanzler.
1970. In Kaiserslautern entsteht die erste pfälzischen Universität.
1971. Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz schafft die
CDU mit Helmut Kohl die absolute Mehrheit. Der Terrorismus der 1970er Jahre
macht auch vor der Pfalz nicht Halt. Ende 1971 wird in Kaiserslautern eine
Bank überfallen, ein Polizist wird erschossen. Ein halbes Jahr später überfallen
Anhänger der Baader-Meinhof-Bande eine Bank in Ludwigshafen.
1973. Ein Spiel, das Geschichte schreibt: Am 20. Oktober gewinnt
der 1. FCK gegen den FC Bayern München nach einem 1:4 Rückstand noch mit
7:4 Toren. Die Ölkrise sorgt dafür, dass die pfälzischen Straßen an mehreren
autofreien Sonntagen gespenstisch leer sind.
1974. Helmut Schmidt übernimmt die Nachfolge des zurückgetretenen
Willy Brandt (Guillaume-Affäre) im Amt des Bundeskanzlers.
1975. In Deutschland ist man nun bereits mit 18 Jahren volljährig.
1976. Zum neuen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz wird
der Speyerer Bernhard Vogel (CDU) gewählt.
1978. Der Landkreis Landau-Bad Bergzabern erhält den neuen Namen
"Südliche Weinstraße".
1982. Der neue Bundeskanzler ist ein echter Pfälzer: Dr. Helmut
Kohl (CDU) wird am 1. Oktober vereidigt.
1984. In Ludwigshafen startet als bundesweites Pilotprojekt
das erste deutsche Privatfernsehen.
1985. Der amerikanische Präsident Ronald Reagan besucht das
Hambacher Schloß.
1986. Die Amerikaner sagen zu, ihre chemischen Waffen aus dem
Lager bei Clausen zu entfernen.
1987. Papst Johannes Paul II. besucht am 4. Mai Speyer. Die
CDU verliert bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit, regiert jedoch
in einer Koalition mit der FDP weiter.
1988. Carl-Ludwig Wagner (CDU) übernimmt von dem zurückgetretenen
Bernhard Vogel das Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten. In
Ramstein-Miesenbach verlieren bei der Flugtag-Katastrophe 70 Menschenihre
Leben, mehrere hundert Besucher werden verletzt.
1989. Aufgrund eines Landtagsbeschlusses werden Bundenthal und
Bruchweiler-Bärenbach (Kreis Südwestpfalz) wieder eigenständige Gemeinden
(siehe auch 1969).
1990. Das sowjetische Staatsoberhaupt Michael Gorbatschow, der
Mit-Wegbereiter der deutschen Einheit, wird bei seinem Besuch in der Pfalz
frenetisch gefeiert. Unter starkem Polizeischutz setzen sich bei Clausen
die Giftgas-Transporte in Bewegung.
1991. Mit Rudolf Scharping wird
erstmals ein SPD-Politiker Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Der 1.
FC Kaiserslautern holt mit Trainer Karl-Heinz Feldkamp zum dritten Mal den
Titel des Deutschen Fußballmeisters in die Barbarossastadt.
1994. Der Pfälzer Kurt Beck (SPD) aus Steinfeld übernimmt das
Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Seit diesem Jahr werden
die Bürgermeister und Landräte von den Bürgern direkt gewählt.
1997: Der Landkreis
Pirmasens wird in Landkreis Südwestpfalz umbenannt. In der Pfalz leben 1,4
Millionen Menschen.
1998: Nach den Tief der Triumpf:
Der 1. FCK erringt als Aufsteiger in die erste Bundesliga mit Trainer Otto
Rehagel den Meistertitel. Die gesamte Pfalz feiert.
2000. Durch
eine Reform und Neuorganisation der Landesverwaltung endet die Ära der Bezirksregierung
Rheinhessen-Pfalz. In Neustadt wird ab 1. Januar die Struktur- und Genehmigungsdirektion
Süd (SGD Süd) geschaffen.
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